Ärzte Zeitung, 04.10.2005

Hb von 9g/dl bei Krebs - höchste Zeit für Anämie-Therapie!

Stimulation der Erythropoese sollte solange fortgesetzt werden, wie sie Symptome lindert / Neue Applikationsform vereinfacht Injektion

MÜNCHEN (wst). Um die Lebensqualität bei Krebs zu steigern und Transfusionen zu vermeiden, empfiehlt die europäische Krebsgesellschaft EORTC bei krankheits- oder therapiebedingter Anämie die großzügige Anwendung von Faktoren, die die Erythropoese stimulierend. Neue Formulierungen ermöglichen es inzwischen, die Applikationsfrequenz noch weiter zu reduzieren.

Bereits beim ersten Arztbesuch sind bis zu 60 Prozent aller Tumorpatienten infolge der Erkrankung anämisch. Darauf hat Privatdozentin Dr. Diana Lüftner vom Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie der Berliner Charité bei einer Pressekonferenz des Unternehmens Amgen in München aufmerksam gemacht.

Durch Chemo- und Radiotherapie steige die Rate von Patienten mit Anämien; die Anämien seien dann auch stärker ausgeprägt. Oft werde erst viel zu spät etwas gegen die immer schlechter werdenden Lebensqualität aufgrund des sinkenden Hb-Wertes unternommen.

Deshalb empfiehlt die EORTC in aktuellen Richtlinien, spätestens ab einem Hb-Wert von 9 g/dl eine Therapie mit einem die Erythropoese stimulierenden Präparat zu starten. Bei Patienten mit chronischer Müdigkeit und Schwäche sei bereits bei einem Hb-Wert von 11 g/dl die Indikation gegeben. Der therapeutisch anzustrebende Hb-Wert liegt zwischen 12 und 13 g/dl. Die supportive Therapie sei solange fortzusetzen wie sie die Symptome lindert, sagte Lüftner.

Wegen der Compliance und der Praktikabilität sollte die Applikationsfrequenz des Präparates eher niedrig sein. Aufgrund der langen Halbwertzeit von 73 Stunden genügt bei subkutaner Applikation von Darbepoetin alfa (von dem Unternehmen als Aranesp® angeboten) eine Injektion alle drei Wochen.

Studien belegen, daß mit der jeweils dreifachen Darbepoetin-alfa-Dosis alle drei Wochen eine Anämie bei Tumorpatienten sogar signifikant besser beherrscht werden kann als mit der herkömmlichen einmal wöchentliche Applikation der einfachen Dosis.

Um die Selbstinjektion zu erleichtern und bei Fremdinjektionen die Verletzungsgefahr durch Injektionsnadeln zu minimieren, werde das Medikament statt als konventionelle Fertigspritze jetzt mit einer Insulin-Pen-ähnlichen Injektionshilfe (SureClick™) angeboten. Das berichtete Andrea Maiwald, Vorstandsmitglied der Konferenz onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpfleger aus Düsseldorf.

Das mit Darbepoetin beladene Einmalgerät wird bei sitzenden Patienten senkrecht am Oberschenkel angesetzt. Ein Klickgeräusch signalisiert die richtige Bedienung, ein 10 bis 15 Sekunden später hörbares zweites Klickgeräusch das Ende der Injektion.

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