Ärztliche Allgemeine, 12.12.2005

Behandlung von Krebskranken wird immer zellspezifischer

Die Therapie von Krebskranken hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Onkologen bekommen mehr und mehr die Möglichkeit, die unspezifische belastende Therapie zu verlassen und Tumoren auch medikamentös besser als bisher gezielt zu zerstören.

Krebspatient bei einer Chemotherapie. Sie ist heute viel spezifischer als früher. Foto: Aura

Operation, Bestrahlung und Chemotherapie sind auch heute noch bei den meisten Tumoren Standard. Immer mehr wird versucht, die Therapie so gezielt wie möglich vorzunehmen. Das gilt gerade auch bei der Bestrahlung und der Chemotherapie. So ermöglicht etwa die intensitätsmodulierte Strahlentherapie die punktgenau errechnete Dosisverteilung im Tumor und so eine optimale Wirkung bei maximaler Schonung des umliegenden Gewebes.

Die Chemotherapie wird in der Regel systemisch verabreicht. Aber auch mit einer regionalen Chemotherapie, bei der gezielt höhere Zytostatika-Dosen in die Tumorregion appliziert werden, wurden gute Therapieergebnisse, etwa bei Patienten mit Brust-, Leber, Prostata- oder Blasenkrebs erzielt.

Eine zielgerichtete Therapie wird schließlich auch durch neue Medikamente versucht: statt unspezifisch wirkende Zellgifte werden Substanzen genutzt und weitere entwickelt, die gezielt nur Tumorzellen angreifen, seien es etwa Antikörper, Immunglobuline, die Zellgifte oder radioaktive Substanzen an den Tumor transportieren, oder seien es Hemmstoffe krebsspezifischer Enzyme.

Diese gezielte Krebstherapie ist nicht nur bei soliden Tumoren möglich, sondern auch bei hämatologischen Krebsformen, indem etwa Enzyme wie die Tyrosinkinasen der Zellen gehemmt werden und so die Zellen in den programmierten Tod getrieben werden.

Der erste Hemmstoff dieser Art, an dem sich die Entwicklung mehrerer neuer Krebsmittel orientiert hat, ist Imatinib für Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie. Einen völlig neuen Angriffspunkt, den es bisher so nicht gegeben hat, ist das Proteasom, an dem der Hemmstoff Bortezomib angreift.

Patienten mit multiplem Myelom profitieren von einer Therapie damit , weil die Krebszellen ebenfalls in den programmierten Zelltod geschickt werden und Bortezomib zudem antiangiogenetisch wirkt. Sowohl Imatinib als auch Bortezomib werden inzwischen auch bei anderen Tumoren geprüft.(ple)

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