Ärzte Zeitung, 27.03.2006

Palliativmedizin - im ambulanten Bereich fehlt es an Geld

Schmerzmediziner sehen Nachholbedarf bei der Finanzierung / Ärzte für stärkere Zusammenarbeit von Hausärzten und Pflegekräften

BERLIN (ami). Palliativmedizin sollte in der ambulanten Versorgung eine große Rolle spielen. Doch es fehlt dort an Geld. Das hat Dr. Thomas Schindler von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) beim Krebskongreß in Berlin kritisiert.

"Im ambulanten Sektor besteht ein großer Nachholbedarf bei der Finanzierung der Palliativversorgung", sagte Schindler. Die mangelnde Honorierung von Ärzten, die schwerkranke Patienten betreuen, bezeichnete Schindler als das "traurigste Kapitel der Palliativversorgung".

Die Palliativmedizin sei in der Privatabrechnung der niedergelassenen Ärzte gar nicht vorgesehen. Im EBM 2000plus sei zwar eine Ziffer zur palliativmedizinischen Betreuung vorhanden, doch Schindler hält die Ziffer für unterbewertet - sie darf mit 835 Punkten nur einmal im Quartal abgerechnet werden.

Kritisch sieht er es auch, daß nur Hausärzte diese Ziffer abrechnen dürfen, spezialisierte Fachärzte aber nicht. Sein Fazit: "Im ambulanten Bereich braucht man sehr viel Idealismus und Engagement, denn Palliativmedizin geht deutlich über das hinaus, was die Abrechnung hergibt."

Auch die Hoffnung, daß die Versorgung und Betreuung schwer- und sterbenskranker Patienten durch die Möglichkeit der integrierten Versorgung im ambulanten Bereich stärker Fuß faßt, habe sich nicht erfüllt, so Schindler. Gerade acht von etwa 2000 Integrationsverträgen haben seinen Angaben zufolge die Palliativmedizin zum Inhalt. Schindler nimmt an, daß dies vor allem daran liegt, daß das Thema wenig geeignet sei für den Kassenwettbewerb, der mit der Integrierten Versorgung angekurbelt werden sollte.

Enttäuscht reagierte die DGP auch auf das Arzneimittel-Spargesetz. "Einer sachgerechten Versorgung mit palliativmedizinisch notwendigen Arzneimitteln wird dies nicht förderlich sein", heißt es in einem Positionspapier der Gesellschaft.

Trotz aller Finanzierungs-Defizite ist die DGP der Auffassung, daß niedergelassene Ärzte eine zentrale Rolle in der Palliativversorgung spielen sollten. "Vor allem niedergelassene Ärzte sollten Palliativmedizin betreiben", forderte der DGP-Vorsitzende Professor Eberhard Klaschik.

Er erinnerte an die Zusage von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, 240 Millionen Euro für ambulante Palliativ-Care-Teams zur Verfügung zu stellen. Diese Teams aus spezialisierten Ärzten und Pflegekräften sollen die Zusammenarbeit von Hausärzten, Pflegediensten und ambulanten Hospizdiensten koordinieren. Bisher arbeiten die Akteure nach Auffassung der DGP noch zu oft parallel.

Weitere Infos zum Krebskongreß unter www.krebskongress2006.de/

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