Ärzte Zeitung, 10.05.2006

Wirkt Bortezomib auch bei alten Kranken mit Myelom?

Proteasom-Hemmer wird als Initialtherapie bei Patienten über 65 Jahre geprüft / Weltweite Studie mit fast 700 Teilnehmern

BERLIN (gvg). Auch alte Menschen mit Multiplem Myelom scheinen bei einer Therapie mit Bortezomib mit hohen Ansprechraten rechnen zu können. Jetzt startet eine große Phase-3-Studie, in der die neue Option als Initialtherapie geprüft wird.

In Deutschland haben etwa 12 000 Menschen ein Multiples Myelom. Professor Monika Engelhardt aus Freiburg berichtete beim Deutschen Krebskongreß in Berlin von einer kürzlich beendeten Studie, bei der 60 Patienten über 65 Jahre mit Multiplem Myelom mit einer Kombination aus Bortezomib (Velcade®), Melphalan und Prednison als Initialtherapie behandelt wurden. Die Patienten konnten oder wollten keine Hochdosis-Chemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation erhalten, wie es die Standardtherapie bei jungen Patienten ist.

Die Gesamtansprechrate - mit komplettem und partiellem Ansprechen - in der Studie habe bei 85 Prozent gelegen, so Engelhardt auf der von dem Unternehmen Ortho Biotech unterstützten Veranstaltung. Knapp die Hälfte davon hatte eine komplette oder nahezu komplette Remission.

Komplette Remission bedeutet, daß in Blut und Urin das von den Plasmozytomzellen synthetisierte M-Protein (Myelomprotein), ein Immunglobulin, nicht mehr nachweisbar ist, und zwar mindestens bei zwei Tests, die sechs Wochen auseinander liegen. Zudem darf der Anteil an Plasmazellen im Knochenmark höchstens fünf Prozent betragen. Der Kalziumspiegel muß sich normalisiert haben.

In der Phase-3-Studie Vista soll nun das in dieser Altersklasse bei einer medikamentösen Primärtherapie bisher nicht beobachtete Ergebnis bei insgesamt 680 Patienten weltweit überprüft werden. Die Aufnahme der Patienten in die Studie habe bereits begonnen, so Engelhardt. In der Studie werde vor allem die Nierenfunktion kontrolliert.

Denn es gebe Hinweise, daß eine Bortezomib-Therapie sogar den Beginn einer Dialysetherapie bei Myelompatienten verzögern könne. Nach bisherigen Erfahrungen unterschieden sich die Ansprechraten auf eine Bortezomib-Therapie bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion nicht von jenen bei Patienten ohne Nierenprobleme.

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