Ärzte Zeitung, 23.07.2007
 

Krebserkrankungen nehmen in der Hauptstadt zu

Klinische Versorgung von Krebspatienten kostet Senat 280 Millionen Euro pro Jahr

BERLIN (ami). Immer mehr Menschen in Berlin erkranken an Krebs. Das geht aus dem ersten Krebsatlas hervor, den Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher mit dem Krebsregister (GKR) der östlichen Bundesländer vorgelegt hat.

Die Zahl der Neuerkrankungen in der Hauptstadt ist von 2002 bis 2004 um 1040 auf 14 568 Patienten gestiegen. Mehr als ein Drittel aller Todesfälle vor dem 65. Lebensjahr gingen auf das Konto bösartiger Neubildungen. Allein für die Klinikbehandlungen von Krebspatienten fallen nach Berechnungen der Senatsgesundheitsverwaltung 280 Millionen Euro pro Jahr an. Der überdurchschnittlich hohe Anteil ambulanter Behandlungen in Berlin ist dabei noch nicht berücksichtigt.

"Die Versorgungslandschaft für diese Erkrankungen ist in Berlin sehr gut ausgebaut", sagte Lompscher (Die Linke). Sie plädierte jedoch dafür, dass die Krebsprävention verstärkt werden müsse.

Brustkrebs ist bei Frauen in Berlin die häufigste Krebsart, gefolgt von Darmkrebs und Lungenkrebs. Männer erkrankten am häufigsten an Lungentumoren, Prostata- und Darmkrebs. Erfreulich: Sie sterben in Berlin seltener an Prostata- und Darmkrebs als im Durchschnitt der neuen Bundesländer.

Als "Alarmsignal" betrachtet die Berliner Gesundheitssenatorin die Entwicklung beim Lungenkrebs. Hier sind die Erkrankungsraten bei Frauen fast doppelt so hoch wie im restlichen Gebiet des GKR. Spitzen innerhalb Berlins zeigen sich vor allem in der Innenstadt und dort in den Problemkiezen. So ist die Rate der Neuerkrankungen an den mit Tabakrauch in Verbindung gebrachten Krebsarten im Neuköllner "Frauenviertel" mehr als doppelt so hoch wie im ohnehin hohen Berliner Durchschnitt.

"Die Daten belegen den Zusammenhang zwischen bestimmten Krebserkrankungen und Belastungen durch Tabakrauch", sagte Lompscher. Auch die Belastungen durch Feinstaub sind in den Gebieten mit hohen Erkrankungsraten erhöht. Lompscher will sich deshalb auch weiterhin für ein schärferes Nichtraucherschutzgesetz und ein Innenstadt-Fahrverbot für bestimmte Kraftfahrzeuge einsetzen.

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