Ärzte Zeitung, 20.02.2008

Der Kampf gegen Krebs ist eine politische Aufgabe

Schwächen in Deutschland: noch wenig stringente Prävention, kein Krebsregister

BERLIN (HL). Erfolge im Kampf gegen Krebs erfordern nicht nur eine wirksame medizinische Therapie - notwendig ist auch eine stringente politische Strategie: für die Prävention, Früherkennung und Gesundheitsberichterstattung. Deutschland zeigt hier im internationalen Vergleich Mängel.

 Der Kampf gegen Krebs ist eine politische Aufgabe

Zumindest in der Anti-Tabak-Politik verfolgt Deutschland einen stringenten Kurs: Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (M.) beim Start "Rauchfrei 2008".

Foto: dpa

Das war die Kernbotschaft des gesundheitspolitischen Symposions "Krebs in Europa und Deutschland" zum Auftakt des 28. Deutschen Krebskongresses heute in Berlin.

Weltweit sterben derzeit jährlich 7,1 Millionen Menschen an Krebs, 2030 werden es aufgrund des demografischen Wandels 14 Millionen sein, so Andreas Ullrich von der WHO in Genf. Die Antwort der WHO sei: Priorität für die Krebsbekämpfung. Die Besonderheit: 40 Prozent der Krebsursachen sind verhaltensbedingt - also kommt der Primärprävention herausragende Bedeutung zu. Deren Potenzial werde derzeit nicht ausgeschöpft.

Die Konsequenz für die WHO: Erstmals hat sie mit der Tabak-Rahmenkonvention einen für die beigetretenen Länder rechtsverbindlichen Rahmen geschaffen, der national umgesetzt werden muss. Ullrich: "Krebsprogramme lassen sich am besten mit politischem Druck umsetzen und erfordern Kampagnen in nationalen Krebsplänen. Wichtig dafür sind auch nationale Krebsregister."

Ein Erfolg in Deutschland: das Rauchverbot in Kneipen. In anderen Feldern, etwa der Epidemiologie, ist die Politik wenig stringent - eine Folge föderaler und selbstverwalteter Strukturen im Gesundheitswesen, so Staatssekretär Klaus Theo Schröder. Folge: Bei internationalen Vergleichsstudien ist Deutschland nur mit dem Krebsregister des Saarlandes repräsentiert - ein nationales Krebsregister gibt es bis heute nicht.

Weitere Berichte vom Deutschen Krebskongress finden Sie hier »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »