Ärzte Zeitung online, 05.09.2008

Erbanlagen für Pankreas- und Hirntumoren entschlüsselt

WASHINGTON (dpa). US-Wissenschaftler haben umfangreiche Genkarten von zwei der bösartigsten Krebsarten erstellt. Demnach spielen bei Tumoren der Bauchspeicheldrüse und bei dem besonders aggressiven Hirntumor Glioblastom Hunderte von Veränderungen an den Erbanlagen eine Rolle.

Die Arbeit könne dabei helfen, eines Tages die Diagnose und die Therapie dieser schweren Erkrankungen zu verbessern, schreiben die Forscher unter Leitung von Williams Parsons vom Howard Hughes Medical Institute in Baltimore im US-Wissenschaftsmagazin "Science" (online vorab). Jedoch seien bis dahin noch weitere große Studien notwendig, betonen die Experten.

Die bösartigen Geschwülste der Bauchspeicheldrüse - die Pankreastumoren - kommen zwar eher selten vor, sind aber Ursache für viele Krebstodesfälle. Denn nur ein geringer Teil der betroffenen Patienten kann zum Zeitpunkt der Diagnose noch operiert werden, und die wenigsten von ihnen überleben die nächsten fünf Jahre. Rauchen oder übermäßiger Alkoholgenuss können das Erkrankungsrisiko erhöhen. Auch das Glioblastom, das meist im Großhirn entsteht, hat eine sehr schlechte Prognose. Dieser oft vorkommende Tumor wächst extrem schnell und ist schwer zu behandeln.

Mehr als 20 000 Gene in Krebszellen wurden gecheckt

Die Wissenschaftler sequenzierten in zwei Studien mehr als 20 000 Gene in den Zellen von 24 Patienten mit Pankreaskrebs und 22 Menschen, die an einem Glioblastom leiden. Neben Hunderten von Genmutationen, die bei diesen Krebsarten eine Rolle spielen, fanden sie auch Tumorzellen mit zu vielen oder zu wenigen Genkopien.

Im Durchschnitt entdeckten die Experten pro Patient 63 genetische Veränderungen bei einem Pankreastumor und 60 bei dem Hirntumor. "Wenn Sie 100 Patienten haben, dann haben Sie auch 100 verschiedene Krankheiten", sagte Mitautor Dr. Bert Vogelstein vom Johns Hopkins Kimmel Cancer Center in Baltimore.

Jeder Tumor hat seine eigene Mixtur aus mutierten Genen

Jeder individuelle Tumor hat nach Angaben der Wissenschaftler seine eigene Mixtur von Genveränderungen. Dies spreche für Therapien, die auf den einzelnen Patienten zugeschnitten seien. "Die Landschaft der bösartigen Tumoren ist noch komplexer als angenommen", erläuterte Professor Kenneth Kinzler, der ebenfalls am Johns Hopkins Kimmel Cancer Center arbeitet. Angesichts der Dutzenden von mutierten Erbanlagen in jedem Tumor ähnele der lange Kampf gegen den Krebs mehr einem Guerilla- als einem konventionellen Krieg.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »