Ärzte Zeitung online, 22.09.2008
 

Universitätsklinik Ulm räumt "Versäumnisse" ein bei Studien zu Krebsmittel

ULM (dpa). An der Universitätsklinik Ulm hat es "Versäumnisse" bei Studien zu einem Krebsmittel gegeben. Dies sagte eine Sprecherin der Klinik am Montag und bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

Nach Informationen des Magazins hatte das Bonner Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Studien zum Präparat Ukrain mehrere, zum Teil "schwerwiegende Mängel" festgestellt. Demnach soll unter anderem die Auswertung "gezielt zugunsten einer Überlegenheit" des Mittels beeinflusst worden sein. Das Mittel ist in Deutschland nicht zugelassen.

Die Vorwürfe richteten sich gegen den ehemaligen Direktor für allgemeine Chirurgie, sagte die Kliniksprecherin weiter. In den Studien aus den Jahren 1999 bis 2001 zu dem angeblichen Krebsmittel seien "Sachen abgelaufen, die so nicht hätten ablaufen dürfen", sagte die Sprecherin. "Da geht es zum Beispiel um Dokumentations- oder Versicherungsfragen. Ob das absichtlich oder manipulativ war, kann ich nicht beurteilen."

Aus Sicht der Klinik liege die Schuld für die Versäumnisse in den Ukrain-Studien allein beim ehemaligen Direktor. Der Professor bestreitet nach Angaben des Magazins alle Vorwürfe, die behaupteten schwerwiegenden Mängel seien widerlegt.

Stichwort Ukrain:

Ukrain ist der Handelsname eines umstrittenen Krebs-Arzneimittels, dessen halbsynthetischer Wirkstoff aus Alkaloiden von Schöllkraut (Chelidonium majus) und Thiotepa hergestellt wird.

Der Name bezieht sich nach Angabe des Herstellers Nowicky Pharma aus Wien auf das Geburtsland des Erfinders, des Chemikers Wassil Jaroslaw Nowicky. Bei der Zubereitung wird angeblich auch das Zytostatikum Thiotepa zugefügt, jedoch chemisch verändert.


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