Ärzte Zeitung online, 22.04.2009

Todkranke Frau in Decken vor Klinik ausgesetzt

MÜNSTERLINGEN (dpa). Rätsel um eine schwerkranke Unbekannte: In Decken gehüllt ist eine etwa 45 Jahre alte Frau am Dienstag vor dem Kantonsspital im schweizerischen Münsterlingen ausgesetzt worden. Sie sei zwar bei Bewusstsein, könne sich aber nicht verständigen, teilte die Polizei im Kanton Thurgau an der deutschen Grenze mit.

Weil keine Ausweise bei der Frau gefunden wurden, ist auch ihre Nationalität unklar. Nach Auskunft des ärztlichen Spital-Direktors Martin Krause war die Unbekannte stark ausgehungert, als sie auf dem Parkplatz der Klinik entdeckt wurde. Sie habe ein auffälliges Leiden im Gesicht und Schluckbeschwerden. Mittlerweile sei sie außer Lebensgefahr. "Auf Ansprache öffnet sie die Augen und gibt auch Silben von sich, die wir bislang aber keiner Sprache zuordnen konnten", sagte der Arzt zur dpa. Man hoffe, dass sie in ein bis zwei Tagen stabil genug sei, um erklären zu können, wie sie auf den Parkplatz gekommen ist.

Die Polizeiauskunft, dass sie Krebs habe, konnte der Arzt nicht bestätigen. "Das fortgeschrittene Leiden kann von einer Krebserkrankung stammen, aber auch von einer chronischen Infektion. Die Diagnose ist noch nicht abgeschlossen", sagte er. Deshalb sei auch noch unklar, ob die Krankheit tödlich ist.

Neue Erkenntnisse dazu, wer die Frau ausgesetzt hat, gibt es nach Auskunft der Polizei noch nicht. Als sie gefunden wurde, stand eine pinkfarbene Sporttasche neben ihr.

Ihr verhältnismäßig gepflegter Zustand lasse vermuten, dass sie zuvor einige Zeit betreut wurde. "Dass sie vor dem Spital ausgesetzt wurde, zeigt auch, dass sie demjenigen nicht egal war", sagte der Untersuchungsrichter Patrick Müller vom Bezirksamt Kreuzlingen. Das Amt ermittelt wegen Aussetzung. In der Schweiz steht darauf eine Höchststrafe von fünf Jahren.

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