Ärzte Zeitung online, 16.06.2009

Eierstockkrebs oft falsch behandelt

WIESBADEN(dpa). Frauen mit Eierstockkrebs werden in deutschen Kliniken oft falsch behandelt. Einer Studie zufolge gebe es bei etwa zwei Drittel der Patientinnen im frühen Stadium Behandlungsdefizite, sagte der Gynäkologe Professor Andreas du Bois von der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie in Wiesbaden.

Bei Frauen mit Eierstockkrebs im Spätstadium werde jede zweite falsch behandelt. Als Grund sah er Mängel in der Infrastruktur der Kliniken, oft fehle es an Kompetenz und interdisziplinärer Arbeit.

"Es gibt mehr Defizite bei den Operationen als bei der Chemotherapie", erklärte der Direktor der Klinik für Gynäkologie und gynäkologische Onkologie an den Wiesbadener Horst-Schmitt-Kliniken (HSK). Bei Erkrankungen im frühen Stadium müsse zusätzlich zur Operation ermittelt werden, wie bösartig der Tumor ist. Doch in einem Viertel der Fälle würden keine Zellproben entnommen, in der Hälfte der Fälle werde keine Bauchfell-Biopsie vorgenommen. Ärztlicherseits würden diese Schritte oft schlicht vergessen, obwohl sie in den Behandlungsleitlinien vorgesehen seien.

Bei Operationen im Spätstadium würden in 40 Prozent der Fälle Teile des Tumors zurückgelassen, was meist das Schicksal der Frauen besiegele. "Das ist inakzeptabel hoch", sagte du Bois. Von den zurückgelassenen Tumoren sei etwa die Hälfte vollständig entfernbar. "Eigentlich dürfte diese Rate 20 Prozent nicht überschreiten."

Du Bois stützte seine Befunde auf die Krankendaten von etwa 1800 Eierstockkrebs-Patientinnen, die im dritten Quartal 2004 in Krankenhäusern behandelt wurden. Das Schicksal von 760 dieser Patientinnen verfolgte er bis 2008 nach. Die Vierjahresstudien zur Qualitätssicherung werden jedes Jahr fortgeschrieben. Du Bois wird die Studie 2004/2008 am Donnerstag der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie vorstellen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »