Ärzte Zeitung, 11.08.2009

Handballer kämpfen gegen den Krebs

Drei deutsche Handball-Stars von einst und jetzt berichten offen über ihre Krankheit.

Von Pete Smith

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Spielt weiter und lässt sich nicht unterkriegen: Nationalspieler Oleg Velyky.

Foto: dpa

Unabhängig voneinander sind sie an die Öffentlichkeit getreten, um über ihre Erkrankung zu reden: die ehemaligen Nationalspieler Michael und Ulrich Roth sowie der aktuelle Nationalspieler Oleg Velyky.

Velyky kämpft schon seit sechs Jahren gegen seinen Krebs. 2003 wurde bei dem gebürtigen Ukrainer, der seit gut fünf Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt und seither 38 Mal für die deutsche Handball-Nationalmannschaft gespielt hat, ein malignes Melanom diagnostiziert. Nach einer operativen Entfernung unterzog sich Velyky im Januar 2004 einer 18-monatigen Therapie, die zunächst erfolgreich zu sein schien. Doch im März vergangenen Jahres brach der Krebs erneut aus. Wieder musste sich der heute 31-jährige Profi-Handballer vom Sport zurückziehen.

Vor kurzem gab der Rückraumspieler vom Hamburger SV erneut sein Comeback und sprach jetzt erstmals ausführlich im "Handball-Magazin" über seine Erkrankung. "Man kann mit dieser Krankheit leben", erklärt Velyky. "Ich habe meine Familie, ich habe immer noch Lust und Spaß am Leben. Und ich habe den Handball." Es sei ein unbeschreibliches Gefühl, nach mehreren Therapien zurückzukommen, "den Ball in die Hand zu nehmen, diese Spannung wieder zu spüren und zu wissen, dass ich es irgendwann packen werde".

Zurzeit trainiert Velyky wieder voll mit. Die Ärzte hätten ihm grünes Licht gegeben. Ohne den Handball, so ist der HSV-Profi überzeugt, ginge es ihm sehr viel schlechter. Sein Comeback sei einzigartig gewesen, schwärmt er. "Dieser Moment, als ich das Spielfeld betrat, bleibt bei mir auf ewig im Kopf. Die Leute haben geklatscht, die ganze Halle, selbst die Fans des Gegners, haben mich begrüßt, sind aufgestanden. Ein solch fantastisches Gefühl ist unbeschreiblich. Vielleicht war das der schönste Moment in meinem Leben."

"Ich will noch einen großen Titel gewinnen"

Trotz seiner Krankheit hat sich Velyky noch viel vorgenommen. "Ich habe gerade deshalb so viel Kraft auf meine Rückkehr verwendet, weil ich mit dieser Mannschaft unbedingt noch einmal einen großen Titel gewinnen möchte", sagte er im Interview mit dem "Handball-Magazin". "Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als die Krankheit zu besiegen und einmal noch einen Pokal in Händen halten zu dürfen."

Michael und Ulrich Roth, die berühmtesten Zwillinge des deutschen Handballs, erfuhren ihre Diagnose Prostatakrebs im Abstand von nur sechs Wochen. In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" haben die beiden Silber-Medaillen-Gewinner bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles vor kurzem erstmals darüber berichtet. Um ein Tabu zu brechen, wie die 47-jährigen Ex-Handballer sagen, und um Männer ihres Alters zu ermuntern, die vorhandenen Vorsorgemöglichkeiten zu nutzen.

Michael Roth hatte sich im April einem Routinecheck unterzogen. Ein erhöhter PSA-Wert gab Grund zur Besorgnis. Bald stand die Diagnose fest: Prostatakrebs. Um verschiedene Meinungen einzuholen, ließ sich Roth von drei Ärzten untersuchen. Sie alle rieten ihm zu einer operativen Entfernung der Prostata.

Zwillinge erkrankten gleichzeitig

Michaels Zwillingsbruder Ulrich, seit zehn Jahren Manager der Pop-Gruppe Pur, ahnte, dass auch er betroffen sein könnte, stand jedoch zunächst ausschließlich seinem Bruder zur Seite. Als ihn dieser drängte, ebenfalls zum Arzt zu gehen, erfuhr auch er die "Schock-Diagnose".

Die Roths sind an die Öffentlichkeit gegangen, um ein Tabu zu brechen, wie sie bekunden. Obwohl es in Deutschland etwa 58 000 Neuerkrankungen pro Jahr gibt, wird über Prostatakrebs kaum gesprochen. Inkontinenz, Impotenz und Unfruchtbarkeit sind Themen, die Männer gern verdrängen. "Nur 20 Prozent aller Männer denken an Vorsorge", sagt der Urologe Professor Hartwig Huland, Chefarzt der Martini-Klinik in Hamburg, "und von denen ist noch die Hälfte von ihren Ehefrauen dorthin getrieben worden."

Michael Roth ist nach seiner Prostata-Operation weder inkontinent noch impotent. Er ist sicher: "Das verdanke ich allein der Früherkennung."

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