Ärzte Zeitung online, 09.10.2009

Krebszellen unterdrücken körpereigene Abwehr

HEIDELBERG (eb). Krebszellen benutzen Tricks, um das Immunsystem zu überlisten. So locken sie zum Beispiel bestimmte Blutzellen an, die dämpfend auf die körpereigene Abwehr wirken. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum untersuchten gemeinsam mit Kollegen aus der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg und einem internationalen Forscherteam diese Vorgänge bei Darmkrebs. Ihre Ergebnisse wurden jetzt online im "Journal of Clinical Investigation" veröffentlicht.

Ein intaktes Immunsystem ist von größter Bedeutung für unsere Gesundheit. Rund um die Uhr ist es im Einsatz, um krankmachende Einflüsse zu bekämpfen. Doch obwohl unser Abwehrsystem auch Krebszellen als fremd erkennen kann, stößt der Körper Tumoren nur selten ab. Möglicherweise sind dafür so genannte regulatorische T-Zellen (Tregs) verantwortlich. Diese besonderen Abwehrzellen sind normalerweise dafür zuständig, unseren Körper vor einer Selbstzerstörung zu schützen, indem sie andere, zerstörerische Abwehrzellen dämpfen. Auch bei Krebs spielen solche Tregs eine Rolle. Sie könnten der Grund dafür sein, warum sich unser Abwehrsystem gegen Tumorzellen erstaunlich ruhig verhält.

Dr. Philipp Beckhove und sein Team im Deutschen Krebsforschungszentrum untersuchten in Kooperation mit der Arbeitsgruppe um Professor Jürgen Weitz aus der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, welche Tumorantigene die regulatorischen T-Zellen aktivieren (J Clin Invest, online vorab, Oktober 2009. "Bisher war es weitgehend unbekannt, welche Strukturen auf Tumorzellen von den Tregs erkannt werden", sagt Beckhove, "das ist eine zentrale Frage der Tumorimmunologie." Dazu isolierten die Wissenschaftler T-Zellen aus dem Blut von Darmkrebspatienten sowie aus gesunden Kontrollpersonen. Die T-Zellen sortierten die Forscher in Killerzellen und regulierende Zellen und testeten deren Reaktion auf künstlich hergestellte Tumorantigene. Dabei entdeckten sie, dass die regulierenden T-Zellen nur einige der Tumorantigene erkannten, die T-Killerzellen dagegen von allen getesteten Tumorantigenen aktiviert wurden. Darüber hinaus fanden sie heraus, dass nur im Blut von Krebspatienten T-Killerzellen vorhanden waren, die sich gegen Tumorzellen richteten.

"Diese Erkenntnisse wollen wir nun nutzen, um eine bessere Immuntherapie gegen Krebs zu entwickeln", erklärt Beckhove. Bei einer sogenannten Krebsimpfung werden Eiweiße verabreicht, die auf der Oberfläche von Tumorzellen vorkommen. Diese soll das Abwehrsystem als fremd erkennen und damit alle Tumorzellen zerstören, die diese Antigene tragen. Doch bisher zeigte sich, dass die verabreichten Antigene sowohl die aggressiven T-Killerzellen als auch die regulierenden Tregs auf den Plan riefen, wodurch die Abstoßung des Tumors meist nicht richtig in Gang kam. In zukünftigen Studien wollen die Forscher nun insbesondere solche Impfantigene verwenden, die zwar die T-Killerzellen aktivieren, nicht aber die Tregs. "Wir versprechen uns davon eine erfolgreichere Therapie für die Krebspatienten", sagt Beckhove.

Zum Abstract der Originalarbeit "Antigen-specific Tregs control T cell responses against a limited repertoire of tumor antigens in patients with colorectal carcinoma"

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wirkstoff zum Cannabis-Entzug

Die Blockade der Fettsäureamid-Hydrolase reduziert Symptome beim Cannabis-Entzug. Mit einem Hydrolasehemmer senkten Abstinenzwillige den Konsum um fast 70 Prozent. mehr »

Arzt und Kämpfer gegen sexuelle Gewalt

Die Gewinner der Nobelpreise haben am Montag ihre Auszeichnungen entgegengenommen. Besondere Aufmerksamkeit erlangte dabei der Arzt Denis Mukwege, Träger des Friedensnobelpreises. mehr »

Erste Kassen senken Zusatzbeitrag deutlich

Die gute Konjunktur und hohe Reserven machen sinkende Zusatzbeiträge möglich – aber nicht bei jeder Krankenkasse. mehr »