Ärzte Zeitung, 02.12.2009

Gute Chancen für Kinder mit Krebs

Kinder, die eine Krebserkrankung haben, werden in Deutschland medizinisch sehr gut versorgt. Das zeigt eine Untersuchung des IQWiG.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Die Überlebenschance von Kindern, die an Krebs erkrankt sind, ist in Deutschland im internationalen Vergleich hoch. Das wirft ein gutes Licht auf die Qualität der pädiatrisch-onkologischen Versorgung. Wie es um wichtige Aspekte wie die Lebensqualität, Schmerzen oder Langzeitfolgen der Erkrankung und der Therapie bestellt ist, lässt sich dagegen nur schwer feststellen. Dafür ist die Studienlage zu schlecht.

Das zeigt der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur "Qualität der pädiatrisch-hämatologisch-onkologischen Versorgung". Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss in Auftrag gegebene Analyse stützt sich auf eine systematische Literaturrecherche. "Bei der Versorgungsanalyse werden keine kausalen Aussagen zum Nutzen einzelner diagnostischer oder therapeutischer Verfahren gemacht, sondern Teilbereiche der Versorgung beschrieben, gegebenenfalls Evidenzlücken identifiziert und eine Bewertung der Versorgungssituation, soweit die vorliegenden Daten das zulassen, vorgenommen", beschreibt das IQWiG die Methode.

Nach der aktuellen Studienlage schneidet die Versorgung von krebskranken Kindern mit Blick auf den Endpunkt Überleben in Deutschland sehr gut ab. Von den Kindern, die im Zeitraum zwischen 2000 und 2004 erkrankten, überlebten 80 Prozent fünf Jahre. Dabei gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen den Indikationen. "Während Patienten mit lymphatischen Malignomen sehr günstige Überlebenswahrscheinlichkeiten aufwiesen, war die Prognose bei Kindern mit Hirntumoren und Patienten mit AML weniger günstig", heißt es im Abschlussbericht. In Deutschland werden 90 Prozent aller krebskranken Kinder in Therapieoptimierungsstudien behandelt. Das sehen die Autoren als Indikator für einen hohen Versorgungsstandard.

Die Experten haben große Evidenzlücken festgestellt. Es gibt kaum Studien zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei krebskranken Kindern. "Für den patientenrelevanten Endpunkt Schmerz ist die Situation noch schlechter", schreiben sie. Auch für die Endpunkte "therapiebedingte Todesfälle" und "Langzeitfolgen der Erkrankung und der Therapie" kommen die Wissenschaftler nicht zu allen in die Untersuchung eingeschlossenen Krankheitsbildern zu einem Ergebnis.

Mit Ausnahme der Zweittumoren war eine Quantifizierung der Langzeitfolgen nicht möglich. "Bei Überlebenden einer kindlichen Krebserkrankung werden 10- bis 20-mal so häufig Zweittumoren beobachtet wie in der allgemeinen Bevölkerung", hält der IQWiG-Bericht fest.

Ein Defizit sehen die Wissenschaftler auch in der Datenlage zur Struktur- und Prozessqualität. "Zu Strukturmerkmalen konnten nur wenige quantitative und zum Teil nicht mehr aktuelle Angaben in den Bericht aufgenommen werden." In Deutschland fehle es an definierten Qualitätsindikatoren für die Pädiatrie und die pädiatrische Hämato-Onkologie. Ob sich hinter den aufgezeigten Evidenzlücken tatsächlich Versorgungsdefizite verbergen, lasse sich aufgrund der Literaturrecherche nicht feststellen, schreiben die Autoren. Deshalb würden weitere Studien dringend benötigt. Sollten sich auf dieser Basis tatsächliche Versorgungsprobleme zeigen, könnten Vorschläge für qualitätsverbessernde Maßnahmen erarbeitet werden.

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