Ärzte Zeitung online, 16.02.2010

Neue Moleküle für bessere Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs

ULM (eb). Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs ist häufig ein Todesurteil, da diese Krebsart meist erst im Spätstadium entdeckt wird. In einem von der EU geförderten Projekt haben Forscher neue Moleküle entwickelt, die in Kombination mit besonderen bildgebenden Verfahren bösartige Veränderungen früher anzeigen können.

Die Wissenschaftler der Ulmer Klinik für Nuklearmedizin machten sich dabei zunutze, dass sich Tumorzellen häufiger und anders teilen als normale Zellen. "Ziel ist es, Moleküle zu finden, die auf die Besonderheiten der Tumorzellen reagieren, und sich genau dort anreichern. Für Ärzte zur Diagnose sichtbar werden die Anreicherungen durch eine radioaktive Markierung der Moleküle, die man wiederum in bestimmten bildgebenden Verfahren sichtbar machen kann", so Professor Sven Norbert Reske, Ärztlicher Direktor der Klinik für Nuklearmedizin.

Solche Moleküle zu finden und herzustellen, ist aufwändig, da ihre Anbindung an die Tumorzellen und ihre radioaktive Markierung zielgerichtet funktionieren und verträglich sein müssen. Ein Molekül, das die Ulmer Arbeitsgruppe entwickelte, spricht auf eine erhöhte Anzahl von Transportermolekülen auf der Oberfläche von Tumorzellen an. "Ein weiteres Molekül macht in einer speziellen Phase der Zellteilung die Synthese einer bestimmten Nukleinsäure, der RNA, die etwa bei der Übertragung oder Übersetzung von Erbinformationen hilft, sichtbar", so Reske.

Die Entwicklung der Moleküle wurde von Dr. Boris D. Zlatopolskiy et al. in den Fachzeitschriften Journal of Nuclear Medicine veröffentlicht. "Beide Moleküle könnten uns eines Tages helfen, Bauchspeicheldrüsenkrebs besser zu diagnostizieren und zum Beispiel von anderen gutartigen entzündlichen Erkrankungen abzugrenzen. Bis Patienten eines Tages davon profitieren können, müssen jedoch noch weitere Studien durchgeführt werden", so Reske.

Bereits bekannte Moleküle mit ähnlicher Struktur wurden erst kürzlich in einer klinischen Studie mit 31 Patienten geprüft. Dabei zeigte sich, dass die Erkennung und die Abgrenzung von anderen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse erleichtert wurden. Die Studie leitete der Nuklearmediziner Dr. Andreas Buck, der aus der Ulmer Arbeitsgruppe stammte, an der TU München.

Die fächerübergreifende Zusammenarbeit mit 23 Forschergruppen aus sechs Ländern unter anderem von Medizinern, Biologen, Chemikern, Physikern, Pathologen und Statistikern sowie die Zusammenarbeit mit der Industrie ist eine Besonderheit des EU-Projekts namens MolDiag-Paca (Novel molecular diagnostic tools for the prevention and diagnosis of pancreatic cancer; www.moldiagpaca.eu). Die Ulmer Arbeitsgruppe wurde über drei Jahre mit insgesamt rund 390 000 Euro gefördert.

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