Ärzte Zeitung online, 24.02.2010

Einblicke in die Entstehung von Knochentumoren

DUISBURG-ESSEN (eb). Wissenschaftlern der Uni Duisburg-Essen (UDE) ist es gelungen, anhand eines neuen Mausmodells Knochenkrebs, sogenannte kartilaginäre Exostosen oder Osteochondromen, bereits in einem frühen Stadium zu erforschen.

Bereits vor mehr als zehn Jahren haben Wissenschaftler ein erstes Mausmodell etabliert, um die Bildung der Knochentumoren auf molekularer und zellulärer Ebene untersuchen zu können. Die heterozygoten Ext1-Mäuse zeigen erstaunlicherweise kein dem Menschen vergleichbares Krankheitsbild.

Schon früh haben die Forscher des Zentrums für Medizinische Biotechnologie (ZMB) an der UDE deshalb vermutet, dass die Ausbildung der Tumore im Menschen durch eine zusätzliche Mutation des zweiten Allels verursacht wird (Verlust der Heterozygosität). Um diese Hypothese zu  überprüfen und die Entstehung im Detail erforschen zu können, haben die Wissenschaftler mithilfe eines DNA-Konstrukts, das in das Genom einer Maus eingeschleust wurde, das Ext1-Gen zu verschiedenen Zeitpunkten und in spezifischen Geweben ausgeschaltet. So gab es in vereinzelten Zellen des ansonsten normalen Knorpelgewebes keine Ext1-Genaktivität mehr (PNAS 107, 2010, 2054).

Auf diese Weise gelang es den Wissenschaftlern, ein Mausmodell zu etablieren, welches zu 100 Prozent Osteochondrome ausbildet. Gleichzeitig konnten sie zwei lange umstrittene Fragen aufklären: Zum einen wurde gezeigt, welcher Zelltyp die Vorläuferzelle des Tumors bildet, zum anderen wurde die tumorauslösende genetische Konstellation festgestellt.

Dies sind wichtige Voraussetzungen, um künftig therapeutische und pharmakologische Strategien entwickeln zu können. Denn bis heute gibt es keine präventiv wirksamen Therapieansätze. Die auftretenden Tumoren müssen oft mehrmals im Leben des Patienten operativ entfernt werden.

Zum Abstract der Originalpublikation "A mouse model of osteochondromagenesis from clonal inactivation of Ext1 in chondrocytes"

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