Ärzte Zeitung online, 26.02.2010

Forscher planen Angriff auf Tumor-Stammzellen

BERLIN (ugr). Sind Tumor-Stammzellen die Ursache einer schlechten Prognose beim Pankreaskarzinom? Eindeutig lässt sich die Frage noch nicht mit Ja beantworten, doch es gibt eine Reihe von Hinweisen in diese Richtung.

Forscher planen Angriff auf Tumor-Stammzellen

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört mit etwa 13 000 Neuerkrankungen jährlich zu den selteneren Tumoren, bei denen die Patienten jedoch ausgesprochen schwer zu behandeln sind. Daran hat Professor Roland Schmid aus München beim Krebskongress in Berlin erinnert. Treten erste Symptome auf, ist der Tumor häufig schon in andere Organe eingedrungen oder hat Metastasen abgesiedelt. Für eine Operation ist es dann zu spät. Chemo- und Strahlentherapie können das Leben der Betroffenen nur noch verlängern, aber nicht mehr retten. Ein neuer Ansatz ist, Tumor-Stammzellen massiv und gezielt zu attackieren. Dies erweist sich bislang jedoch als extrem schwer, basieren doch Chemotherapien darauf, schnell teilende Zellen zu vernichten. Tumor-Stammzellen teilen sich jedoch nur selten. Im Unterschied zu normalen Krebszellen überleben Stammzellen Chemo- und Strahlenangriffe oft unbeschadet. Sie haben sich in Nischen eingeigelt und verharren dort Monate oder gar Jahre in einer Art Dämmerzustand, bevor sie irgendwann erwachen, sich teilen und neues Tumorwachstum initiieren.

Im Mausmodell waren Krebsstammzellen, die das Oberflächemolekül CD133 tragen, unempfindlich gegen Gemcitabin, den einzig bewährten Wirkstoff gegen Pankreaskarzinome. "Krebszellen, die darüber hinaus CXCR4-Moleküle produzierten, induzierten häufig sehr schnell eine Lungen- und Lebermetastasierung", erläuterte Schmid. Um den resistenten Tumorstammzellen auf den Leib zu rücken, entschlossen sich die Forscher zu intensiveren Methoden: Mit einer Dreifach-Kombination aus Gemcitabin, Rapamycin und Cyclopamin gelang es ihnen schließlich, die Stammzellen zu zerstören. Ob sich das - nebenwirkungsreiche - Prinzip auch für die Therapie beim Menschen eignet, müsse die Zukunft zeigen, so Schmid.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »