Ärzte Zeitung online, 05.03.2010

Gute Prognose bei Multiplem Myelom ist vorhersagbar

HEIDELBERG (eb). Heidelberger Wissenschaftler entwickeln Kriterien für die Risikobewertung des Knochenmarkkrebses Multiples Myelom. Den Forschern gelang es mithilfe des MRT, Risikopatienten von Patienten mit mildem Verlauf abzugrenzen.

Der Arbeitsgruppe um Dr. Jens Hillengaß in der Sektion Multiples Myelom der Medizinischen Klinik Heidelberg gelang es, Risikopatienten präziser von Betroffenen mit mildem Krankheitsverlauf abzugrenzen: Mittels des sehr sensitiven Verfahrens der Magnetresonanztomografie (MRT) sind auch bereits bei Patienten mit asymptomatischem Multiplem Myelom (aMM) kleine Tumorzell-Ansammlungen, sogenannte "fokale Läsionen" im Knochen und Knochenmark darstellbar.

Patienten mit mehr als einer fokalen Läsion müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem früheren Voranschreiten der Erkrankung rechnen. Auch die diffuse Anreicherung von entarteten Plasmazellen im Knochenmark ist offenbar mit einer schlechten Prognose verbunden.

Die Wissenschaftler hatten für diese Erkenntnisse eine Gruppe von 149 Patienten mit aMM auf Anzeichen von fokalen oder diffusen Knochenmarkläsionen untersucht und die Blutkonzentration an Aktivitätsparametern des Multiplen Myeloms bestimmt. Hillengaß untersuchte die Verläufe der Betroffenen zum Teil mehr als fünf Jahre, um herauszufinden, wer innerhalb dieses Zeitraums ein symptomatisches Myelom entwickelte. Anschließend wurde geprüft, inwieweit sich der Krankheitsverlauf mit den untersuchten Parametern in Verbindung bringen lässt.

Für ihre Untersuchungen setzten die Forscher die Ganzkörper-Magnetresonanztomografie ein. Die Ganzkörperaufnahmen erwiesen sich dabei als präziser als die alleinige Darstellung von Wirbelsäule und Becken: Jeder fünfte untersuchte Patient hatte auch außerhalb von Wirbelsäule und Becken fokale Läsionen, die bei einer partiellen MRT übersehen worden wären.

Das Multiple Myelom ist eine Krebserkrankung, bei der sich bösartige, Antikörper produzierende Zellen des Immunsystems (Plasmazellen) im Knochenmark vermehren. Es lassen sich zwei Formen unterscheiden: das symptomatische und das asymptomatische Multiple Myelom. Rund 70 Prozent der Patienten leiden bei Erstdiagnose an der symptomatischen Form.

Noch lässt sich nicht sagen, ob Risikopatienten bei einer frühzeitigen Diagnose von daraufhin eingeleiteten Behandlungsmaßnahmen profitieren und länger leben würden. Dies muss in einer prospektiven Studie erst noch untersucht werden.

Zum Abstract der Originalpublikation "Prognostic significance of focal lesions in whole body magnetic resonance imaging in patients with asymptomatic multiple myeloma"

Topics
Schlagworte
Krebs (11256)
Onkologie (8523)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Mehr Handhygiene in der Kita – weniger Atemwegsinfekte

Handhygieneprogramme in Kitas, bei denen Desinfektionsmittel eingesetzt werden, tragen offenbar dazu bei, Atemwegsinfektionen bei unter Dreijährigen deutlich zu verringern. mehr »

Tipps zur COPD-Diagnostik

Viele COPD-Patienten werden als solche gar nicht erkannt, bei anderen wird die Diagnose vorschnell gefällt. Anlässlich des heutigen Welt-COPD-Tags erinnern wir an die neuen deutschen Leitlinien und grundlegende Änderungen. mehr »

Medikationspläne oft nicht genutzt

Medikationspläne – zumindest frei erstellte – verbessern die Arzneimittel-Therapiesicherheit wohl nicht wie erhofft. Das legt nun eine Studie der Uni Greifswald nahe. mehr »