Ärzte Zeitung online, 16.04.2010

Krebsärzte fordern mehr Verantwortung von Praxen und Kliniken bei Zytostatika

BERLIN (maw). Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) fordert wirksamere Kontrollen und mehr Transparenz bei der Zubereitung von Zytostatika. Damit reagiert die Fachgesellschaft auf die jüngsten Anklagen verschiedener Staatsanwaltschaften in Deutschland gegen rund 60 Apotheken wegen Mängeln und Abrechnungsbetrug bei der Zytostatikaherstellung (wir berichteten).

"Die Betrugsfälle der letzten Monate und die Prozesswelle zeigen, dass die vorhandenen Kontrollmechanismen nicht ausreichend sind", kommentiert DGHO-Vorstandsmitglied Professor Mathias Freund. "Der Gesetzgeber muss dringend sicher stellen, dass sowohl die siebenstellige Pharmazentralnummer als auch die Chargennummer der Zytostatika in den Begleitpapieren bei der Auslieferung der Zytostatika-Zubereitungen durch die Apotheker dokumentiert werden müssen", ergänzt Professor Gerhard Ehninger, geschäftsführender Vorsitzender der Fachgesellschaft.

Die DGHO geht in ihren Forderungen noch weiter. So sollen Kliniken und Praxen darüber hinaus verpflichtet werden, diese Unterlagen in der Krankenakte für 30 Jahre zu archivieren. "Chemotherapien sind auch heute noch mit einem gewissen Risiko behaftet", erläutert Freund. "Insbesondere müssen wir dabei an heute möglicherweise noch nicht bekannte Langzeitrisiken denken. Als Spezialisten für die Systemtherapie müssen wir deshalb sicherstellen, dass wir jederzeit nachvollziehen können, wo die Arzneimittel herkommen, die wir unseren Patienten geben", ergänzt der DGHO-Funktionär.

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