Ärzte Zeitung, 23.04.2010

Individualisierte Krebstherapie mit Naturstoffen?

Tumorzellen blockieren das zelluläre Selbstmordprogramm über das Schlüsselmolekül XIAP. Um dieses Enzym auszuschalten, damit das Selbstmordprogramm ablaufen kann, läuft die Suche nach Hemmstoffen auch unter pflanzlichen Inhaltstoffen auf Hochtouren.

Individualisierte Krebstherapie mit Naturstoffen?

Computermodell des Apoptose-Hemmers XIAP. Die farblich markierte Region ist Ziel künftiger Krebstherapeutika. © Institut für Pharmazie/Pharmakognosie / Uni Innsbruck

INNSBRUCK (ple). In vielen Tumoren wird das Eiweiß-Molekül XIAP* übermäßig synthetisiert. Die Folge: Der programmierte Zelltod - die Apoptose - wird verhindert, die Krebszellen können sich hemmungslos vermehren. Möglicherweise ist dieses Molekül auch Ursache dafür, dass Patienten nur unzureichend auf eine Chemotherapie ansprechen. Seit einiger Zeit ist deshalb das XIAP-Molekül ein begehrtes Forschungsobjekt in Projekten, in denen nach Apoptose-fördernden Strategien gefahndet wird.

In Innsbruck etwa sucht an der Universität die Arbeitsgruppe Pharmakognosie um Professor Hermann Stuppner nach Naturstoffen, die als Leitstrukturen für die chemische Synthese potenzieller Arzneistoffe dienen und XIAP hemmen. Stuppner hat mit seinen Kollegen ein Computermodell entwickelt, das die dreidimensionale Struktur von XIAP nachbildet. Wichtig dabei ist jene Molekülregion, die normalerweise die für die Aktivierung des programmierten Zelltodes wichtigen Enzyme bindet und somit hemmt. Gelänge es, Substanzen zu finden, die genau diese Region blockiert, könnte die Hemmung der Apoptose verhindert werden, die Krebszellen würden sterben.

Inzwischen hat Stuppner an seinem Institut bereits eine Daten- und Biobank von 140 000 Naturstoffen aufgebaut. Die meisten sind pflanzliche Inhaltsstoffe. Die Biobank enthält aber auch Substanzen aus Pilzen und Bakterien. Stuppners Projekt ist Teil des Verbundes Oncotyrol, das die Entwicklung individualisierter Krebstherapien fördert.

*XIAP: X-linked inhibitor of apoptosis protein

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »