Ärzte Zeitung online, 12.06.2010

Substanz in Brokkoli unterstützt Krebsmittel im Kampf gegen Tumoren

HEIDELBERG (eb). Das neue Krebsmedikament Sorafenib weckt Hoffnungen: Das Mittel wird bereits bei fortgeschrittenem Leber- und Nierenkrebs therapeutisch genutzt - und scheint auch gegen Krebsstammzellen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs wirksam zu sein. Ein Stoff in Brokkoli verstärkt offenbar die Wirksamkeit von Sorafenib.

Substanz in Brokkoli unterstützt Krebsmittel im Kampf gegen Tumoren

Brokkoli hat - wie auch Blumenkohl - einen hohen Sulforaphan-Gehalt, einem Wirkstoff gegen Krebs. © stevem / fotolia.com

Die Arbeitsgruppe von Professor Ingrid Herr aus Heidelberg hat das Krebsmittel Sorafenib an Mäusen sowie an Pankreaskrebs-Zellen getestet. Der Wirkstoff hemmt die widerstandsfähigen Tumorstammzellen und ist besonders effektiv in Kombination mit Sulforaphan, einem pflanzlichen Inhaltsstoff von Brokkoli. Die Ergebnisse werden online in der renommierten Fachzeitschrift "Cancer Research" veröffentlicht.

Etwa 12 900 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an einem Pankreaskarzinom. Häufig wird die Erkrankung erst spät bemerkt, und nur wenige Patienten leben nach der Diagnose noch länger als ein Jahr. Besonders die frühen Vorläuferzellen des Tumors, die Krebsstammzellen, sind Ursache dafür, dass der Tumor, unkontrolliert wächst, metastasiert und kurz nach einer Operation wieder auftritt. Sie sind gegenüber gängigen Therapien weitgehend unempfindlich und stehen im Fokus neuer Behandlungsstrategien.

In ihren Versuchen an Krebszellen und Mäusen zeigten die Heidelberger Wissenschaftler, dass Sorafenib typische Eigenschaften von Krebsstammzellen aus Bauchspeicheldrüsen-Tumoren hemmt und das Krebswachstum stark reduziert. Wie es in einer Mitteilung des Uniklinikums Heidelberg heißt, hielt dieser Effekt allerdings nur kurz an: nach vier Wochen hatten sich erneut kleine Kolonien der Krebsstammzellen gebildet, die nun nicht mehr auf eine weitere Therapie mit Sorafenib reagierten.

"Vermutlich hängt diese Resistenz mit einem bestimmten Stoffwechselweg zusammen, dem NF-kappa-B- Signalweg, den Sorafenib aktiviert", erläutert Vanessa Rausch, Nachwuchswissenschaftlerin an der Chirurgischen Universitätsklinik und Erstautorin der Publikation.

Brokkoli verstärkt die Wirkung von Sorafenib

Wirkstoffe, die genau diesen unerwünschten NF-kappa-B-Signalweg blockieren und damit die gefährlichen Zellen verletzlich machen, liefert die Natur: Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler wie Brokkoli und Blumenkohl haben einen hohen Gehalt an Sulforaphan, einem Wirkstoff gegen Krebs. Die Versuche zeigten, dass Sulforaphan die Aktivierung des NF-?B Signalwegs durch Sorafenib verhindert. Die Kombinationsbehandlung verstärkte die Wirkung von Sorafenib, ohne dabei zusätzliche Nebenwirkungen zu verursachen. Die Krebszellen konnten keine Absiedelungen mehr bilden, die Metastasierungsfähigkeit war in der Zellkultur komplett aufgehoben.

"Wir vermuten, dass man auch an der Ernährung ansetzen könnte, um die Therapieresistenz von Krebsstammzellen zu durchbrechen und dadurch Tumortherapien wirksamer zu machen", so Herr, Leiterin der Abteilung Molekulare OnkoChirurgie am Heidelberger Klinikum. Die Abteilung ist eine Kooperationsgruppe der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum.

www.klinikum.uni-heidelberg.de

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