Ärzte Zeitung, 17.06.2010

Fortschritt bei gastrointestinalen Stromatumoren

Zielgerichtete Therapie verbessert die Prognose von Patienten mit metastasierten oder nicht resektablen gastrointestinalen Stromatumoren (GIST).

Von Abdol Ameri

BERLIN. Das mediane Überleben von Patienten mit metastasierten oder nicht resektablen GIST kann sowohl in der neoadjuvanten als auch in der adjuvanten Situation durch eine Therapie mit Imatinib deutlich verbessert werden.

GIST gehören zu den häufigsten mesenchymalen Tumoren des Verdauungstrakts. Am häufigsten werden sie im Magen diagnostiziert, gefolgt vom Dünndarm. Nach den aktuellen Leitlinien der European Society for Medical Oncology (ESMO) ist Imatinib (Glivec®) 400 mg/Tag Standard für die systemische Therapie bei fortgeschrittenem oder metastasiertem GIST. Besonders empfohlen wird die Mutationsanalyse, berichtete Privatdozent Peter Reichardt aus Bad Saarow bei einer von Novartis Pharma unterstützten Veranstaltung. Patienten mit Mutation im Kit-Exon-11-Genabschnitt können von einer Therapie mit 400  mg Imatinib profitieren. Bei Patienten mit Exon-9-Mutationen sollten 800 mg/Tag verabreicht werden. Kommt es mit der 400-mg-Dosis zum Fortschreiten der Erkrankung, sollte auf 800 mg erhöht werden. Bei nicht oder nur schwierig resezierbaren Tumoren wird in den ESMO-Leitlinien zunächst eine Therapie mit Imatinib über 6 bis 12 Monate empfohlen.

Auch in der adjuvanten Therapie habe Imatinib einen hohen Stellenwert, so Reichardt. Bei GIST hätten 50 Prozent der Patienten nach Resektion ein hohes Rezidivrisiko von mehr als 50 Prozent. In einer Studie zeigte sich nach einem Jahr adjuvanter Therapie mit Imatinib eine signifikante Verbesserung beim Parameter "rezidivfreies Überleben" im Vergleich zu Placebo: 98 versus 83 Prozent. Das Rezidivrisiko wurde um 65 Prozent reduziert (Lancet 2009; 373: 1097). Die Entscheidung zur Anwendung der Arznei in der Adjuvanz basiert auf der Risikoklassifikation von 2006 (Sem Diagn Pathol 2006; 23: 70): Bei niedrigem Risiko ist keine adjuvante Therapie erforderlich, bei hohem Risiko dagegen auf jeden Fall und bei intermediärem Risiko sollte eine Mutationsanalyse erfolgen. Die Frage nach der optimalen Dauer der adjuvanten Therapie kann noch nicht eindeutig beantwortet werden. Aufschluss erwartet Reichardt von den Ergebnissen einer noch laufenden Studie mit einer Imatinib-Therapie über ein Jahr versus drei Jahre.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »

Mit Geriatrietests zur Diabetestherapie à la carte

Der eine ist fit, der andere gebrechlich: Alte Menschen mit Typ-2-Diabetes brauchen individuelle Therapieformen. Ein Geriater gibt Tipps. mehr »