Ärzte Zeitung online, 02.10.2010
 

Experte: Orale Eisentherapie ist nicht unbedingt physiologisch

BERLIN (gvg). Die Eisensubstitution ist in der Onkologie eine Standardtherapie. Bei der DGHO-Jahrestagung wurde eine Lanze für die intravenöse Applikation gebrochen - und für den kostengünstigen Eisenstoffwechselparameter Zinkprotoporphyrin.

Experte: Orale Eisentherapie ist nicht unbedingt physiologisch

Professor Jan Hastka von der III. Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum Mannheim äußerte Zweifel daran, dass die orale Eisensubstitution ein besonders physiologischer Weg der Eisensubstitution sei. Das einzig physiologische daran sei, dass die Aufnahme oral erfolge, so Hastka.

Auf Ebene der Darmwand sei dagegen nichts mehr physiologisch: Die Eisentransporter dort würden bei oraler Eisentherapie rasch überladen. "Es kommt dann unter anderem zu einem parazellulären Eisenübertritt und zu unphysiologischen Diffusionsprozessen", so Hastka. Viele Patienten spüren, dass etwas nicht so läuft wie sonst: "Die Bauchschmerzen bei der oralen Eisensubstitution kommen nicht von ungefähr."

Er plädierte dafür, Eisen immer dann intravenös zu substituieren, wenn ein ausgeprägter Eisenmangel besteht, wenn chronische Erkrankungen vorliegen, wenn mit Erythropoietin substituiert wird und wenn chronisch-entzündliche Prozesse der Darmwand bekannt sind. Aber auch sonst sei die intravenöse Applikation eine zu überlegende Alternative: "Spätestens wenn zwei orale Präparate nicht vertragen wurden, würde ich intravenös behandeln. Und bei Blutspendern könnte sogar primär an eine intravenöse Therapie gedacht werden", so Hastka.

Hinsichtlich der Diagnostik auf Eisenstoffwechselstörungen machte der Experte auf einen in Deutschland wenig genutzten Parameter aufmerksam, das Zinkprotoporphyrin (ZPP). ZPP wird immer dann gebildet, wenn Eisen für die Hämsynthese fehlt, die Ausgangsprodukte des Häms aber irgendwie weiterverarbeitet werden müssen.

Gegenüber dem üblichen Screening-Parameter, dem Ferritin, habe ZPP einige Vorteile, so Hastka. So falle Ferritin dann ab, wenn die Eisenspeicher leerer werden, unabhängig davon, ob die Hämsynthese schon beeinträchtigt ist oder nicht. ZPP könne hier differenzieren: Es bleibt normal, solange "nur" die Speicher leer sind, aber noch genug Eisen für die Hämsynthese vorhanden ist. Erst wenn die Syntheseleistung in Mitleidenschaft gezogen wird, reagiert der Parameter.

Ein weiterer Vorteil sei, dass ZPP auch die Anämie chronischer Erkrankungen erfasst. Es ist nicht - wie Ferritin - ein Akute-Phase-Protein. Vor allem in Kombination mit einem niedrigen Wert des löslichen Transferrinrezeptors - ein Hinweis auf eine reduzierte Erythropoese - sei die ZPP-Messung in dieser Hinsicht sehr aussagekräftig. "Schließlich ist die ZPP-Bestimmung auch noch deutlich kostengünstiger als die Ferritin-Bestimmung", so Hastka.

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