Ärzte Zeitung online, 05.10.2010

Patienten mit Pankreas-Ca profitieren von niedermolekularem Heparin

Patienten mit Pankreas-Ca profitieren von niedermolekularem Heparin

BERLIN (gvg). Eine Behandlung mit niedermolekularem Heparin reduziert bei Patienten mit Pankreaskarzinom die Rate thromboembolischer Komplikationen. Die Therapie hat aber keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben.

Die beiden wichtigsten Ergebnisse der CONKO-004-Studie sind jetzt bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) in Berlin vorgestellt worden. Hintergrund der Studie waren frühere Beobachtungen, denen zufolge thromboembolische Ereignisse bei Pankreas-Ca-Patienten ein prognostisch ungünstiger Faktor sein könnten.

In die CONKO-004-Studie wurden über 300 Patienten aufgenommen, die wegen eines Pankreaskarzinoms mit zwei unterschiedlichen Chemotherapieschemata behandelt wurden. Die Hälfte der Patienten erhielt in randomisiert-kontrolliertem Studiendesign eine Thrombose-Prophylaxe mit Enoxaparin, zunächst drei Monate lang in halbtherapeutischer und danach in prophylaktischer Dosierung.

Primärer Endpunkt der Studie war die Inzidenz symptomatischer Thromboembolien (sVTE). Hier habe sich ein klarer Nutzen des niedermolekularen Heparins gezeigt, sagte Dr. Uwe Pelzer vom Centrum für Tumormedizin der Charité Berlin. Nach drei Monaten lag die sVTE-Rate bei Enoxaparin-Therapie bei 1,3 Prozent und in der Kontrollgruppe signifikant höher bei 9,9 Prozent. Nach einem Jahr waren es 5 Prozent und 15 Prozent. Dem standen in den ersten drei Monaten schwere Blutungen bei 4,4 Prozent der Patienten in der Enoxaparin-Gruppe und bei 3,3 Prozent der Patienten in der Kontrollgruppe gegenüber. Dieser Unterschied war aber nicht statistisch signifikant.

Nicht das erhoffte Ergebnis erbrachte die CONKO-004-Studie bei den sekundären Endpunkten "Gesamtüberleben" und "Zeit bis zur Progression". "Hier waren die Kurven praktisch deckungsgleich", so Pelzer. Das mediane Gesamtüberleben lag bei 8 oder 8,3 (Enoxaparin) Monaten, die Dauer bis zur Progression /time to progression, TTP) bei 5,4 oder 5 (Enoxaparin) Monaten.

Auch ohne einen Effekt auf den Parameter "Überleben" liefere die Studie ein starkes Argument für die Anwendung von niedermolekularen Heparinen bei Patienten mit Pankreas-Ca und neuer Chemotherapie, so Pelzer. Für die ersten drei Monate errechne sich eine niedrige "Number Needed to Treat" von 12, also die Zahl der Patienten, die behandelt werden müssen, um ein einziges ungünstiges Ereignis zu verhindern. Dem stehe seitens der Blutungen eine "Number Needed to Harm" (potenzieller Schaden) von über 90 gegenüber. Professor Gerhard Ehninger von der Universitätsklinik Dresden schloss sich Pelzers Einschätzung an: "Für die ersten 3 bis 6 Monate sollten wir ein niedermolekulares Heparin empfehlen", so der Experte.

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