Ärzte Zeitung online, 08.10.2010

Studie: Krebsvorsorge-Kampagnen können demotivieren

HEIDELBERG (dpa). Kampagnen für die Krebsvorsorge können einer Studie zufolge genau das Gegenteil bewirken. Das gilt vor allem dann, wenn sie die fehlende Bereitschaft zur Vorsorge beklagen, teilten Forscher der Universität Heidelberg am Donnerstag mit. Menschen orientierten sich nämlich in Sachen Gesundheit an dem Verhalten der anderen.

Studie: Krebsvorsorge-Kampagnen können demotivieren

Ob jemand eine Krebsfrüherkennungs-Untersuchung wahrnimmt, hängt auch davon ab, ob andere hingehen.

© Sven Weber / fotolia.com

Deshalb hätten Kampagnen, die geringe Teilnahmequoten von Männern bei der Krebsfrüherkennung bemängeln, "viel eher demotivierenden Charakter, anstatt von einer Teilnahme zu überzeugen".

Nach Darstellung der Forschungsleiterin Professor Monika Sieverding wird das Gesundheitsverhalten von zwei Polen beeinflusst: den Erwartungen wichtiger Bezugspersonen und dem Verhalten "vergleichbarer" Menschen. Die Forscher gingen deshalb der Frage nach, inwieweit das Wissen über das Verhalten von Alters- und Geschlechtsgenossen die Teilnahme von Männern an Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung (KFU) beeinflusst.

Dazu wurden 2400 Männer von 45 bis 65 Jahren interviewt. Die Befragten, die bislang noch nie bei einer KFU waren, gingen davon aus, dass auch nur wenige andere Männer (28 Prozent) dies machen. Bei denen, die selbst unregelmäßig oder sogar regelmäßig zur KFU gehen, lagen die Schätzungen mit 36 und 45 Prozent deutlich darüber.

In einer Nachfolgestudie mit 185 Männern zwischen 45 und 70 Jahren wurde überprüft, ob die Information über das Verhalten Anderer die Motivation beeinflusst, selbst an einer KFU teilzunehmen. Dabei wiesen die Forscher einen deutlichen Effekt nach: Wurde den Befragten gesagt, dass im Vorjahr lediglich jeder fünfte Mann bei einer solchen Untersuchung war, fiel auch bei ihnen die Bereitschaft dazu eher gering aus. Deutlich größer war das Interesse in einer Gruppe, die die Information erhalten hatte, dass sich bereits zwei Drittel aller Männer einer Standard-KFU unterzogen haben.

"Die Information über eine geringe Nutzung hat somit keine motivierende, sondern tatsächlich eine demotivierende Wirkung. Nach dem Motto: Wenn so wenige Männer dort hingehen, dann wird das wohl auch seinen Grund haben", lautet Sieverdings Fazit.

Die Forschungen am Psychologischen Institut wurden von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

Pressemitteilung der Universität Heidelberg

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