Ärzte Zeitung online, 11.11.2010

Hochdotierte Auszeichnung für Arzt und Stammzellforscher

KYOTO (dpa). Der japanische Arzt und Stammzellpionier Professor Shinya Yamanaka, der südafrikanische Künstler William Kentridge und der ungarische Mathematiker Professor László Lovász haben den diesjährigen Kyoto-Preis für ihr Lebenswerk erhalten.

Bei einer feierlichen Zeremonie in Kyoto nahmen die drei Geehrten im Beisein von Mitgliedern der japanischen Kaiserfamilie sowie mehr als tausend Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur aus aller Welt die mit 50 Millionen Yen (etwa 450 000 Euro) dotierte Auszeichnung entgegen.

Der Mediziner Yamanaka erhielt die Auszeichnung für seine Erfolge in der Stammzellforschung. Zusammen mit seinem Team hatte der Japaner ausgewachsene Zellen - etwa der Haut - so reprogrammiert, dass sie embryonalen Stammzellen gleichen. Dies sei ein "enormer Fortschritt auf dem Gebiet der regenerativen Medizin", urteilte das Preis-Komitee. Bei der Herstellung dieser als induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) bezeichneten Zellen müssen keine Embryonen zerstört werden, wie es zur Gewinnung embryonaler Stammzellen nötig ist.

Der Mathematiker Lovász hat sich nach Ansicht des Preis-Komitees durch "herausragende Beiträge" um die mathematischen Wissenschaften verdient gemacht. In seiner Forschungsarbeit habe der 62-Jährige eine Verbindung zwischen den verschiedenen Disziplinen der Mathematik hergestellt.

Die Werke Kentridges zeichnen sich nach Ansicht des Preis-Komitees durch die Kombination traditioneller Zeichnungen mit neuen Medien aus. Der südafrikanische Künstler und Regisseur setze darin etwa Kohle-Zeichnungen zu Videoproduktionen zusammen. In seinen Werken reflektiere der 55-Jährige vor allem die Kultur Südafrikas und gebe gleichzeitig tiefe Einblicke in die menschliche Existenz.

Den Laureaten wurde in einer Zeremonie außer dem Preisgeld eine Urkunde und die Kyoto-Preis-Medaille überreicht. Der 1984 von Kazuo Inamori, dem Gründer des japanischen Technologie-Konzerns Kyocera, ins Leben gerufene Kyoto-Preis zählt zu den wichtigsten Auszeichnungen in Kultur und Wissenschaft. Er wird alljährlich durch die Inamori-Stiftung vergeben.

Der Kyoto-Preis wird in den drei Kategorien Kunst und Philosophie, Hochtechnologie sowie Grundlagenforschung vergeben. Unter anderem erhielten in den vergangenen Jahren die Choreographin Pina Bausch, der Philosoph Jürgen Habermas, der österreichische Musiker und Dirigent Nikolaus Harnoncourt sowie die Primatenforscherin Jane Goodall den Preis.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »