Ärzte Zeitung für Onkologen/Hämatologen, 06.01.2011

Welchen Anteil haben Immunzellen im Fettgewebe an der Krebsentstehung?

Dass viele Krebserkrankungen mit Übergewicht assoziiert sind, ist bekannt. Doch nun vermuten Forscher, dass rund jede fünfte Krebserkrankung auf dem Boden einer chronischen Entzündung im Fettgewebe entsteht.

Von Ingeborg Bördlein

Welchen Anteil haben Immunzellen im Fettgewebe an der Krebsentstehung?

Entzündungen im Fettgewebe als Krebsauslöser? Forscher haben Hinweise darauf gefunden.

© Yvonne Bogdanski / fotolia.com

HEIDELBERG. Begünstigen chronische Entzündungsprozesse im Fettgewebe die Entstehung von Krebs? Hinweise aus Tierversuchen legen dies nahe, wie der Ernährungswissenschaftler Professor Mario Kratz vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle bei einem Internationalen Kongress über "Sport, Energiebilanz und Krebs" in Heidelberg gesagt hat.

Dass viele Krebserkrankungen wie Darm-, Brust-, Bauchspeicheldrüsen-, Leber- und Nierenkrebs mit Übergewicht assoziiert sind, ist bekannt. Die metabolischen und molekularen Mechanismen sind jedoch noch nicht geklärt, wie Kratz in Heidelberg berichtete.

Tierversuche lieferten allerdings interessante Hinweise: Chronische subklinische Entzündungsprozesse im Fettgewebe schränkten offensichtlich die Immunabwehr stark ein. So habe man zuvor schlanke Mäuse experimentell adipös gemacht und im Fettgewebe daraufhin eine große Menge an Immunzellen gefunden, die Hinweis für eine Entzündungsreaktion waren.

Klare Zeichen gebe es bereits dafür, dass diese Entzündungsreaktionen bei Diabetes mellitus von Bedeutung sind, wie Kratz sagte, und eben auch, dass Entzündungsprozesse das Krebswachstum fördern.

Wie sich die Entzündungsreaktionen auf die Krebsentstehung tatsächlich auswirken, wird gegenwärtig intensiv erforscht. Am Fred Hutchinson Krebsforschungszentrum sind Kratz zufolge inzwischen Methoden zur Analyse von Fettgewebe bei Menschen entwickelt worden.

"Wir analysieren die Art der Immunzellen im Fettgewebe", zunächst bei gesunden Probanden. Die Fettgewebsentzündungen seien zwar bei Übergewichtigen sehr häufig, aber nicht bei allen Adipösen seien sie nachweisbar, so Kratz. Umgekehrt wurden auch bei schlankeren Probanden Entzündungsreaktionen gesehen.

Möglicherweise sind es bestimmte Nahrungsbestandteile, die die chronischen Entzündungsprozesse auslösen oder zumindest begünstigen, vermutet der Ernährungswissenschaftler. Nach diesen Bestandteilen in der Nahrung suchen die Forscher jetzt.

Bei dem international Kongress in Heidelberg waren auf Einladung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Mediziner, Epidemiologen, Sport- und Ernährungswissenschaftler, Biologen und Psychologen zusammengekommen, um Forschungsergebnisse zu Übergewicht und Bewegungsmangel als Krebsrisiko auszutauschen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Für eine Welt ohne Typ-1-Diabetes

Ein hohes Risiko für Typ-1-Diabetes im Kindesalter erkennen und die Krankheit verhindern, ist das Ziel von Wissenschaftlern. Eine provokante PR-Aktion wirbt für ihre Arbeit. mehr »

Grippe-Impfsaison noch lange nicht vorbei!

Kein Land Europas erreicht die Influenza-Impfziele der WHO. Jetzt vor der Grippewelle appellieren Experten daher an Ärzte, noch möglichst viele Patienten zu schützen. mehr »

Wenn Insulin zum fetten Problem wird

Schon leicht erhöhte Insulinspiegel können offenbar Adipositas sehr stark fördern. Forscher haben sich den Zusammenhang angeschaut und empfehlen Intervallfasten – mit einer Einschränkung. mehr »