Ärzte Zeitung, 21.03.2011

Weiter hohes Risiko für Schilddrüsen-Ca nach Tschernobyl

BETHESDA (ple). Das Risiko, an einem Schilddrüsenkarzinom zu erkranken, blieb in den zwei Jahrzehnten nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl bestehen - ohne jegliches Anzeichen für eine Abnahme.

Das geht aus den Daten einer prospektiven Kohorten-Studie von US-Krebs-Epidemiologen in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern in Kiew in der Ukraine hervor.

Weiter hohes Risiko für Schilddrüsen-Ca nach Tschernobyl

Grafische Darstellung einer normalen Schilddrüse.

© lom123 / fotolia.com

In die Untersuchung zwischen 1998 und 2007 wurden mehr als 12.500 Einwohner einbezogen, die in drei radioaktiv kontaminierten Regionen in der Nähe des Reaktors in der Ukraine lebten und zum Zeitpunkt des Reaktorunfalls am 26. April 1986 noch nicht 18 Jahre alt waren (Environ Health Perspectives 2011 online, 17. März).

Diese Einwohner wurden zwischen 1998 und 2007 bis zu vier Mal auf Krebs der Schilddrüse untersucht, unter anderem sonografisch und endokrinologisch. Die Befunde wurden in Beziehung zur Aufnahme von radioaktivem Jod-131 gesetzt. Die Radioaktivität war innerhalb der ersten zwei Monate nach dem Unfall gemessen worden. Der gemessene Wert wurde als Grundlage für die Schätzung der individuellen Jod-131-Dosis verwendet.

Insgesamt 65 Einwohner erkrankten an einem Schilddrüsenkarzinom.

Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge, die das Risiko für Schilddrüsenkrebs in Beziehung zur aufgenommenen Strahlenenergie von Jod-131 in die Schilddrüse gesetzt haben, hat sich das Schilddrüsenkrebs-Risiko bei den Einwohnern in dem Untersuchungszeitraum - bis zu einem Zeitpunkt 22 Jahre nach dem Reaktorunfall - nicht verringert.

Nach den Berechnungen nimmt das relative Risiko eines Betroffenen um den Faktor 1,91 pro einem Gray Strahlendosis zu. Das entspreche den in früheren Studien ermittelten Werten für das Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.

Die Epidemiologen vermuten aufgrund von Studien zu Krebs bei Überlebenden nach einer überirdischen Atombomben-Explosion, dass der Zeitraum nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl für ein abschließendes Urteil noch zu kurz ist.

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