Ärzte Zeitung online, 08.07.2011

Forscher tricksen Krebs aus

HANNOVER (eb). Eine effektive Immuntherapie gegen Krebs ist ein zentrales, bislang unerreichtes Ziel in der Krebsmedizin. Forschern der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gelang es jetzt, eine neuartige Immuntherapie gegen Krebs zu entwickeln. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im "Journal of Clinical Investigation", teilte die MHH.

Forscher tricksen Krebs aus

Laborant spritzt eine Maus: Der Versuch an der MHH, Mäuse gegen Krebs zu immunisieren, erzielte erfolgreiche Ergebnisse.

© Stefan Klein / imago

Ein wesentlicher Grund für die bisher meist festgestellte Wirkungslosigkeit oder geringe Wirkung von Impfungen gegen Krebs ist, dass solide Tumoren in ihrer direkten Umgebung eine Immunschwäche erzeugen und der Körper die Geschwüre somit toleriert.

Der Arbeitsgruppe um Dr. Florian Kühnel von der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie und Professor Stefan Kubicka, Chefarzt an der Medizinischen Klinik I in Reutlingen, ist jetzt ein wichtiger Schritt vorwärts gelungen:

Sie verursachten mit von ihnen entwickelten so genannten onkolytischen Adenoviren eine heftige Entzündungsreaktion in Tumoren im Mausmodell.

Hoffnung auf erfolgreiche Impfstrategie gegen Krebs

Während dieser Entzündung impften die Forscher die Tiere gegen den Tumor. Diese Vorgehensweise führte zu einer gegen den Tumor gerichteten Immunantwort, die sowohl die ursprünglichen Geschwülste als auch die Metastasen beseitigte.

"Ein Grund für die erfolgreiche Immuntherapie besteht darin, dass der entzündete Tumor es nicht mehr schafft, in seiner Umgebung eine Immunschwäche entstehen zu lassen. Somit toleriert ihn der Körper nicht mehr, sondern wehrt ihn ab", so Kühnel in der Mitteilung.

Damit bestünde nun die berechtigte Hoffnung, dass weiterführende Forschungen innerhalb weniger Jahre erfolgreiche Impfstrategien hervorbringen - die dann auch auf den Menschen anwendbar sind.

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