Ärzte Zeitung online, 29.07.2011

Was Fbxw5 mit genetischer Stabilität zu tun hat

HANNOVER (eb). Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben herausgefunden, wie Zellen es schaffen, ihr Erbgut bei der Zellteilung gleichmäßig auf beide Tochterzellen zu verteilen. Die gleichmäßige Aufteilung ist wichtig für die genetische Stabilität der Zelle: Fehlt sie, kann Krebs entstehen.

Was Fbxw5 mit genetischer Stabilität zu tun hat

Professor Nisar Malek, MHH-Klinik.

© MHH

Die Forscher Professor Nisar Malek von der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie und seine frühere Mitarbeiterin Dr. Anja Puklowski, die jetzt in Biberach tätig ist, untersuchten, wie die Zelle es schafft, ihre Centrosomen nur einmal pro Zellteilungszyklus zu verdoppeln, teilt die MHH mit.

Centrosomen sind dafür wichtig, dass sich Chromosomen während der Zellteilungsphase gleichmäßig auf beide Tochterzellen verteilen. Hierfür bilden die Centrosomen mikroskopisch kleine Fasern aus, die sogenannten Spindeln, die sich an die Chromosomen anheften und diese zu den entgegen gesetzten Polen der Zelle ziehen.

Um eine gleichmäßige Verteilung auf die zwei Tochterzellen zu ermöglichen, benötigt die Zelle zwei Centrosomen. Wenn sich mehr als zwei Centrosomen bilden, besteht die Möglichkeit, dass auch mehr als zwei Spindeln entstehen und die Chromosomen nicht mehr gleichmäßig verteilt werden.

Fbxw5 räumt bei der Zellteilung auf

Das kann zur sogenannten genetischen Instabilität beitragen. Genetische Instabilität sei die Grundlage der Entstehung von Krebszellen. Es werde bereits seit langem vermutet, dass Centrosomen-Duplikationsfehler dabei eine von großer Bedeutung sein könnten.

Die in der Fachzeitschrift Nature Cell Biology (online, 3. Juli 2011) veröffentlichte Arbeit erkläre, wie Zellen es schaffen, ihre Centrosomen nur einmal pro Teilungszyklus zu verdoppeln.

"Wir konnten zeigen, dass die Zelle hierfür das spezifische Protein Fbxw5 verwendet. Dieses kontrolliert den Abbau eines anderen Proteins, HsSAS-6, das für die Entstehung des zweiten Centrosoms notwendig ist. Fbxw5 stellt sicher, dass HsSAS-6 nur einmal pro Teilungszyklus die Bildung des zweiten Centrosoms induziert und dann sofort abgebaut wird", wird Malek in der MHH-Mitteilung zitiert.

Fehlt Fbxw5, entstehen multiple Centrosomen, was zu genetisch instabilen Zellen führt. "Die Frage ist nun, inwieweit dieser fundamentale Prozess der Zellteilung in Tumorzellen gestört ist und ob sich hier Ansatzpunkte für neue Tumortherapien finden lassen", so Malek.

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