Ärzte Zeitung online, 22.12.2011
 

Skandal um Brustimplantate weitet sich aus

NEU-ISENBURG (eis). Auch in Großbritannien klagen mehr als 250 Frauen wegen minderwertiger Brustimplantate des Unternehmens Poly Implantat Prothèses (PIP). In Frankreich wollen die Behörden bis Ende der Woche entscheiden, ob sie den 30.000 damit versorgten Frauen die Entnahme empfehlen.

Skandal um krebsverdächtige Brustimplantate weitet sich aus

Brustimplantation: Europaweit sind Frauen von minderwertigen Implantaten betroffen.

© dpa

Bei etwa der Hälfte der klagenden Britinnen seien die Silikonkissen geplatzt. Die Klagen der Frauen richten sich gegen sechs Kliniken, die die Implantate verwendet hatten, berichtet die französische Zeitung "Liberation".

Lieber hätte man sich direkt an das Unternehmen gewandt, doch dieses werde gerade aufgelöst, wird der Anwalt der Frauen zitiert. Die Verantwortlichen der Firma seien untergetaucht.

In Frankreich waren acht Frauen mit geplatzten PIP-Silikonkissen an Krebs erkrankt und eine weitere Frau an Krebs gestorben. Der Hersteller hatte seit 2001 etwa 100.000 Implantate in alle Welt verkauft.

Um die Kosten zu senken, hatte die Firma die Implantate mit billigem Industriesilikon befüllt. Der Betrug war im April 2010 aufgeflogen und die PIP-Implantate danach verboten worden.

Nachdem jetzt der Krebsverdacht aufkam, erwägen die französischen Gesundheitsbehörden, allen 30.000 Frauen mit PIP-Implantaten in Frankreich die chirurgische Entnahme zu empfehlen. Der Eingriff solle dabei von der Krankenversicherung bezahlt werden.

Betroffene Frauen auch in Deutschland

Großbritannien ist von dem Skandal um die krebsverdächtigen Implantate noch deutlich stärker betroffen als Frankreich.

Von den 80.000 bis 100.000 Frauen mit Brustimplantaten im Vereinigten Königreich seien nach Angaben der dortigen Kontrollbehörde für Medizinprodukte 40.000 bis 50.000 mit den PIP-Silikonkissen versorgt worden, so "Liberation".

Auch in Deutschland warnt das BfArM vor den PIP-Implantaten. Bisher seien bei uns 19 Frauen mit geplatzten PIP-Silikonkissen bekannt.

Offenbar wurden auch in Deutschland mehrere tausend Frauen damit versorgt, die genaue Zahl ist unbekannt. Hat eine Frau Zweifel, mit welchem Implantat sie versorgt wurde, kann sie den Typ in ihrem Implantat-Pass nachschauen.

In Frankreich wollen die Gesundheitsbehörden bis Ende der Woche verkünden, was den dort betroffenen Frauen empfohlen werden soll. Erwartet wird noch eine Expertise des nationalen Krebsinstituts Inca.

Die Experten hätten bisher eine einhellige Meinung vertreten, so "Liberation": Um jeden Preis müsse das Platzen der Implantate vermieden werden, weil sie ein Silikongel enthalten, dass nicht für medizinische Zwecke vorgesehen ist. Die Silikonkissen müssten daher so schnell wie möglich herausgenommen werden.

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