Ärzte Zeitung online, 30.12.2011

Pankreas-Ca im Visier Bonner Krebsforscher

Bonner Wissenschaftler entwickeln neuartige Therapiestrategien gegen Tumoren der Bauchspeicheldrüse. Dazu wollen sie ein für das Pankreaskarzinom verantwortliches Enzym medikamentös hemmen oder das entsprechende Gen ausschalten.

BONN (eb). Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse werden meist spät entdeckt, weil sie zunächst kaum Beschwerden machen. Nur etwa 10 bis 15 Prozent der Pankreastumoren können zum Zeitpunkt der Diagnose noch durch eine Operation entfernt werden.

Das Pankreaskarzinom ist die vierthäufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland, hat eine ausgesprochen ungünstige Prognose und ist weitgehend resistent gegenüber fast allen derzeit verfügbaren Therapieoptionen aus, wie Dr. Georg Feldmann aus Bonn in einer Mitteilung der Universität zitiert wird.

Feldmann leitet an der Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie die Arbeitsgruppe "Translationale Therapieforschung".

Enzym wird zum Angriffziel der Behandlung

Die Bonner Forscher um Feldmann suchen nach neuartigen Ansätzen, das Tumorwachstum in der Bauchspeicheldrüse zu unterbinden. "Die Cyclin-abhängige Kinase 5 ist ein Enzym, das an der Ausbreitung von Pankreastumoren beteiligt ist", wird Feldmann zitiert.

Damit sei sie ein potenzielles Ziel für die Therapieforschung. In fast 70 Prozent aller duktalen pankreatischen Adenokarzinome wird das Gen CDK5 mit dem Bauplan für die Kinase übermäßig exprimiert (Clin Cancer Res. 2011; 17(19): 6140-6150).

Anhand von Gewebeproben und an Mäusen untersuchen die Bonner Wissenschaftler nun, wie sich das Enzym, das für das Wachstum der Krebszellen mit verantwortlich ist, ausschalten lässt.

Zwei Wege kommen dafür in Frage. Zum einen lässt sich die Cyclin-abhängige Kinase 5 mit bestimmten Medikamenten hemmen. Zum anderen wollen die Wissenschaftler das Gen ausschalten, das den Bauplan für das Enzym enthält.

Nach Angaben von Feldmann gehen die Forscher davon aus, dass sich damit das weitere Wachstum des Pankreaskarzinoms stoppen lässt.

Förderung durch die Deutsche Krebshilfe

Die Wissenschaftler arbeiten hierfür eng mit dem Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) zusammen. Das ist Verbund der Universitätskliniken Köln und Bonn zur umfassenden Betreuung, Diagnostik und Behandlung von Krebspatienten.

An dem Projekt sind weitere Kliniken und Institute in Deutschland und im Ausland als Kooperationspartner beteiligt, darunter Dr. Lukas C. Heukamp am Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Köln und Professor Anirban Maitra an der Johns Hopkins-Universität in Baltimore im US-Staat Maryland, wie es in der Mitteilung heißt.

Damit werde die Therapieforschung zum Pankreaskarzinom weiter gestärkt, die einen der wissenschaftlichen Schwerpunkte der Bonner Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie ist, so Feldmann.

Dieser Forschungsschwerpunkt wird bereits in zwei weiteren Projekten durch die Deutsche Krebshilfe und die Europäische Union gefördert. Das Bonner Projekt fördert die Deutsche Krebshilfe in den nächsten drei Jahren mit 313.414 Euro.

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