Ärzte Zeitung, 18.03.2012

DGHO: Es fehlen Onkologen für alte Menschen

DGHO: Es fehlen Onkologen für alte Menschen

Die Gesellschaft wird älter. Damit nehmen auch die Krebserkrankungen zu. Die Onkologie sei bisher nicht ausreichend auf die älteren Patienten vorbereitet, warnt die DGHO. Entsprechende Studien seien Mangelware.

BERLIN (sun). Die alternde Bevölkerung wird zum Stresstest für Onkologen. "Krebs ist vornehmlich eine Erkrankung des Alters", sagte der Onkologe Stefan Schmitz bei der Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) in Berlin.

Somit würden mit steigender Lebenserwartung onkologische Erkrankungen in der Zukunft deutlich zunehmen.

Daher werde man künftig mehr Spezialisten für die Versorgung älterer und hochbetagter Krebspatienten benötigen, warnen Experten. "Doch bisher wissen wir noch nicht ausreichend, welche Probleme wir dann schultern müssen", so Schmitz.

Es fehlten Gutachten und Analysen über den tatsächlichen Bedarf an geriatrischen Spezialisten für Krebserkrankungen. Für Brustkrebs liege das mittlere Erkrankungsalter bei 65 Jahren, für Prostata-, Lungen- und Darmkrebs sogar bei etwa 70 Jahren.

Klinische Studien zu Medikamente für Hochbetagte fehlen

Seit 2006 sei das Alter der Patienten Studien zufolge in den Praxen pro Jahr um drei Monate gestiegen, sagte Schmitz. Hochbetagte Patienten seien jedoch noch unterrepräsentiert. Eine zufriedenstellende Begründung dafür fehle bisher.

Darüber hinaus sei auch noch nicht ausreichend erforscht, wie Medikamente bei Älteren und Hochbetagten wirkten und in welcher Dosierung sie zu verabreichen seien. Dazu fehlten klinische Studien.

Aus Sicht der Onkologen kommt allerdings erschwerend hinzu: Vorerkrankungen, Lebensgeschichten und auch individuelle Lebensplanungen sind natürlich extrem unterschiedlich, ältere Krebspatienten stellen eine heterogene Gruppe dar, so die DGHO.

Vor allem die Komorbidität sei ein zunehmendes Problem, sagte Norbert Marschner, Onkologe aus Freiburg.

Auf Sorgen der älteren Patienten eingehen

In einem Punkt sind sich die Experten einig: Diskriminiert würden die älteren Krebspatienten nicht. "Das Alter allein ist nicht therapieentscheidend", sagten die Experten unisono. Das sei jedoch nicht selbstverständlich.

"Vor fünfzehn Jahren ist das noch anderes gewesen", ist der Onkologe Schmitz überzeugt. Wichtig sei es vor allem auf die älteren Patienten und ihre Sorgen im Praxisalltag speziell einzugehen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Europäische Impfwoche - Same procedure as last year!

Heute starten die Europäischen Impfwochen. Am Beispiel Masern werden beträchtliche Defizite in Deutschland deutlich - und dass es seit Jahren kaum Fortschritte gibt. mehr »

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen und Opposition weht scharfer Gegenwind. mehr »