Ärzte Zeitung, 07.11.2013

Schilddrüsen-Ca

Niedrige TSH-Werte schlagen aufs Herz

Überlebende eines Schilddrüsenkarzinoms sterben gehäuft an Herzkrankheiten. Möglicherweise liegt es an der TSH-Suppression.

GRONINGEN. Resektion plus Radiojodtherapie - damit sind nach zehn Jahren noch etwa 80 bis 95 Prozent der Schilddrüsenkrebspatienten am Leben. Solche Menschen können heutzutage also sehr alt werden.

Da sie in der Regel für den Rest ihres Lebens Thyroxin zur TSH-Suppression einnehmen müssen, um das Rezidivrisiko zu minimieren, fallen auch die Nebenwirkungen der Suppression ins Gewicht.

Beschrieben wurden in der Literatur zum Beispiel eine erhöhte Inzidenz von Vorhofflimmern, eine Zunahme der linksventrikulären Masse, eine verringerte Elastizität der Gefäße ebenso wie prothrombotische Effekte unter der Thyroxin-Therapie, berichten jetzt Ärzte um Esther Klein Hesselink von der Universität Groningen in den Niederlanden (JCO 2013; online 7. Oktober).

Ob sich solche Effekte auch auf die Lebenserwartung auswirken, hat das Team um Klein Hesselink bei 524 Patienten überprüft, die zwischen 1980 und 2010 in Groningen aufgrund eines Schilddrüsenkarzinoms behandelt wurden.

Deren Schicksal verglichen die Ärzte retrospektiv mit dem von knapp 1600 gleich alten krebsfreien Teilnehmern einer niederländischen Populationsstudie.

Die Krebspatienten wurden im Schnitt 8,5 Jahre nachuntersucht, die Kontrollpersonen 10,5 Jahre. In dieser Zeit starben 100 Krebspatienten (19,1 Prozent), aber nur 5,4 Prozent der Teilnehmer in der Kontrollgruppe. 39 (7,4 Prozent) Krebspatienten starben als Folge des Tumorleidens, 22 (5,4 Prozent) an kardiovaskulären Erkrankungen.

In der Kontrollgruppe führten dagegen Probleme mit Herz und Gefäßen nur bei 1,5 Prozent der Teilnehmer zum Tode.

Unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren starben Krebspatienten um das 3,4 Fache häufiger an Herzinfarkt und Schlaganfall als Studienteilnehmer in der Kontrollgruppe. Und die Gesamtsterberate war bei den Krebspatienten der niederländischen Studie sogar 4,4-fach erhöht.

Nun schauten sich die Ärzte die TSH-Werte der Patienten genauer an. Es zeigte sich, dass diejenigen mit den niedrigsten Werten (unter 0,02 mU/l) die höchste Sterberate aufwiesen, vor allem die kardiovaskuläre Mortalität war hierbei erhöht.

Für jede TSH-Senkung um eine Zehnerpotenz ließ sich eine etwa dreifach erhöhte kardiovaskulär bedingte Sterberate berechnen. Dagegen gab es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen anderen Todesursachen und der TSH-Senkung. (mut)

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