Ärzte Zeitung online, 26.11.2013
 

Krebs

Kamera spürt kleinste Tumoren auf

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung haben ein Kamerasystem entwickelt, das versteckte Tumoren über fluoreszierende Farben sichtbar macht.

DÜSSELDORF. Eine neue Spezialkamera soll künftig die Heilungschancen bei Krebs erhöhen, indem sie versteckte Tumore während einer Op aufspürt.

Entwickelt haben die neue Operationshilfe Forscher der Fraunhofer-Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie (PAMB), einer Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Auf der diesjährigen Medica präsentierten sie auf dem Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle 10 einen Prototypen.

Der Trick, den sich die Forscher überlegt haben: Die Kamera zeigt Fluoreszenzfarbstoffe an, die das Tumorgewebe einfärben. Dazu müssen die Farbstoffe dem Patienten vor der Op in die Venen injiziert werden.

Auf dem Weg durch den Körper würden sie gezielt am Tumor andocken, so die Forscher. Werde das entsprechende Areal dann mit Licht einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt, werde die Fluoreszenz angeregt und das bösartige Gewebe leuchte grün, blau, rot oder in einer anderen Farbe - je nach verwendetem Farbstoff.

Das Novum an dieser Kamera ist dabei, dass sie eben mehrere Fluoreszenzfarbstoffe gleichzeitig in Echtzeit anzeigen kann. Bisher erhältliche Systeme könnten das nicht, heißt es vonseiten des Fraunhofer IPA.

Außerdem ließen sich auch Arterien und dünne Nerven, die während eines Eingriffs nicht verletzt werden dürfen, per Farbstoff einfärben. Sie könnten dann ebenfalls mit der neuen Kamera detektiert werden, da sie sich deutlich von der Umgebung abheben.

Das neue multispektrale Fluoreszenz-Kamerasystem soll sich in Zukunft unter anderem in OP-Mikroskope und Endoskope einbauen lassen. (reh)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »