Ärzte Zeitung, 27.11.2014

Krebs

Test deckt Mangelernährung bei Adipösen auf

Bei Übergewichtigen mit metastasierter Krebserkrankung könnten Infos zum Ernährungsstatus die Therapieergebnisse verbessern.

LARISSA. Die Beurteilung des Ernährungszustandes ausschließlich anhand des BMI halten griechische Ärzte für zu oberflächlich bei Therapieentscheidungen in der Onkologie.

Um eine Mangelernährung bei übergewichtigen oder adipösen Krebspatienten zu erfassen, haben sie den MNA-Test (Mini Nutritional Assessment) bei fast 1500 Patienten in drei Kliniken, darunter einem Zentrum in Frankreich eingesetzt (Ann Oncol 2014; online 30. Oktober).

594 Patienten (41,9 Prozent) waren übergewichtig oder adipös. Im Mittel lag der BMI bei 28,6. Insgesamt 72,6 Prozent der Patienten waren als übergewichtig eingestuft worden. Der MNA-Test erfasst im ersten Schritt unter anderem Gewichtsverlust, Mobilität, psychische Situation und BMI.

Im zweiten Schritte werden unter anderem Wohnsituation, Medikamentenkonsum, Anzahl der Hauptmahlzeiten, Trinkmenge und Essensaufnahme mit/ohne fremde Hilfe abgefragt. Bei einer Punktzahl von mehr als 23,5 (Gruppe A) im MNA-Test ist dies ein Hinweis auf einen ausreichenden Ernährungsstatus.

Liegt die Zahl zwischen 17,0 und 23,5 (Gruppe B), dann ist das bereits ein Zeichen für das Risiko, mangelernährt zu sein, und unter 17 Punkten (Gruppe C) für eine manifeste Mangelernährung.

In der Studie hatten fast 50 Prozent der Übergewichtigen und Adipösen ein Risiko für eine Mangelernährung, 12,8 Prozent seien zum Zeitpunkt der Diagnose bereits mangelernährt gewesen.

Von 357 Patienten (60,1%) standen auch Daten zum Überleben für die Auswertung beim sekundären Endpunkt der Studie zur Verfügung.Im Median lag der Wert für das Gesamtüberleben bei 11,1 Monaten, bei einem Follow-up von 27 Monaten.

Das mediane Gesamtüberleben lag in Gruppe A bei 17,8 Monaten, in Gruppe B bei 8,2 und in Gruppe C bei 6,4 Monaten. Den größten Unterschied beim Parameter Gesamtüberleben stellten die Wissenschaftler bei den Adipösen fest: In Gruppe A mit normalem Ernährungszustand lag das mediane Überleben bei 15,2 Monaten, in der Gruppe C mit Mangelernährung dagegen bei 4,9 Monaten.

Die Unterschiede waren in der Subgruppenanalyse nur bei den älteren Studienteilnehmern signifikant, die mindestens 70 Jahre alt waren. (ple)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Neue Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. Das weckt Hoffnungen. mehr »

Was die Datenschutz-Folgenabschätzung ist

Praxen, Kliniken und MVZ, die in großem Stil Patientendaten verarbeiten, müssen laut DSGVO eine Datenschutz-Folgenabschätzung absolvieren. Medizinrechtler erläutern, wie das geht und was das überhaupt ist. mehr »

Tele-Hausarzt horcht aus der Ferne ab

Dr. Rafael Walocha betreut als Tele-Hausarzt Bewohner eines Pflegeheims per Video. Dabei kann er die Patienten sogar elektronisch auskultieren. Arzt und Patienten sind begeistert. mehr »