Ärzte Zeitung, 25.08.2015

Forscher finden heraus

Protein hilft Krebszellen beim Wandern

Ein bestimmtes Protein unterstützt Tumorzellen dabei, zu Knochen zu wandern und sich in einer neuen Umgebung einzunisten. Warum es gebildet wird, muss jetzt noch näher untersucht werden.

FREIBURG. Krebszellen, die zu Knochen wandern, erwerben eine besondere Eigenschaft: Sie beginnen, das Protein Cathepsin K herzustellen. Warum dies für die wandernden Zellen wichtig ist, haben Forscher der Universität und des Freiburger Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies aufgeklärt.

Der Polymerchemiker Professor Prasad Shastri und der pharmazeutische Wissenschaftler Jon Christensen haben herausgefunden: Cathepsin K aktiviert ein weiteres Protein, das den Krebszellen hilft, ihre Mikroumgebung so zu verändern, dass sie sich zu Tumoren entwickeln können, teilt die Universität Freiburg mit.

Überlebensfähigkeit der Krebszellen steigt

Cathepsin K findet sich vor allem in Knochen und wird von Osteoklasten abgegeben. Bislang hätten Wissenschaftler jedoch nicht klären können, warum Krebszellen Cathepsin K produzieren, so die Uni Freiburg in ihrer Mitteilung.

Shastri und Christensen fanden bei Experimenten in Zellkulturen heraus: Wenn wandernde Krebszellen Cathepsin K produzieren, steigert dies ihre Überlebensfähigkeit in der Umgebung des Knochens.

Cathepsin K aktiviert Matrix-Metalloprotease 9 (MMP-9), ein Enzym, das die Tumorentwicklung maßgeblich steuert. MMP-9 kann die Knochengrundsubstanz verdauen und ermöglicht es somit den Krebszellen, sich einzunisten. Zudem aktiviert MMP-9 Proteine, die fördern, dass sich neue Blutgefäße bilden - was nötig ist, damit die Tumorzellen Nährstoffe erhalten (BMC Res Notes 2015; 8:322).

Somit haben Krebszellen viele Werkzeuge, um ihre Mikroumgebung zu verändern, sobald sie im Knochen ankommen.

"In weiteren Studien muss sich zeigen, wie Cathepsin K und MMP-9 im Organismus wechselwirken und wie dies die Aggressivität von Tumoren sowie die Metastasenbildung fördert", wird Shastri in der Mitteilung zitiert. "Unsere Erkenntnisse könnten zukünftig dazu dienen, neue therapeutische Ziele zu erkennen und Medikamente zu entwickeln." (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Warum bei Dicken das Hirn hungert

Das Gehirn von schlanken und fettleibigen Personen reagiert unterschiedlich auf Energiezufuhr, so eine Studie. Und: Es gibt dabei eine Parallele zwischen Übergewicht und Depression. mehr »

"Je härter der Knoten, desto höher die Krebs-Wahrscheinlichkeit"

Schilddrüsenknoten werden immer häufiger diagnostiziert. Warum das so ist, welche Untersuchungen zur Abklärung nötig sind und welche Methode immer bedeutender wird, erläutert der Endokrinologe Prof. Matthias Schott. mehr »

Wenn Leitlinien in die Irre führen

Zum Vorgehen bei Patienten mit Mikro- oder Makrohämaturie gibt es verschiedene Empfehlungen – das schafft Unsicherheit. Forscher haben festgestellt, dass Krebs oft unentdeckt bleibt, wenn Ärzte nationalen Leitlinien folgen. mehr »