Ärzte Zeitung, 23.02.2016

Onkologie

Mit aufgerüsteten T-Zellen den Krebs bekämpfen

Auf dem Weg zu einer personalisierten Immuntherapie? Ziel neuer Forschungen ist es, T-Zellrezeptor-Moleküle herzustellen, mit denen sich das Immunsystem aktivieren lässt - so dass es gegen die Tumorzellen vorgeht.

MAINZ. T-Zellen oder T-Lymphozyten sind in der Lage, über hochempfindliche und spezifische Rezeptoren Krebszellen zu erkennen. Diese T-Zellrezeptoren für therapeutische Anwendungen künstlich herzustellen, ist das Ziel eines Verbundforschungsprojekts, an dem Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz beteiligt sind.

Die Deutsche Krebshilfe fördert dieses Verbundforschungsprojekt für die Dauer von drei Jahren mit einer Million Euro. Im Erfolgsfall sollen die im Labor gewonnenen T-Zellrezeptoren in einer personalisierten Immuntherapie bei malignem Melanom und Pankreas-Ca Anwendung finden, teilt die Universitätsmedizin Main mit.

Verbundforschungsprojekt

"Unser Ziel ist es, T-Zellrezeptor-Moleküle herzustellen, mit denen sich das Immunsystem aktivieren lässt, gegen die Tumorzellen vorzugehen", wird der Tumorimmunologe Professor Thomas Wölfel von der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz zitiert. Er und Professor Matthias Theobald, Direktor der III. Medizinischen Klinik, sind mit ihren Arbeitsgruppen Teil des Verbundforschungsprojekts mit dem Namen "Nutzung mutierter Neoantigene für die T-Zelltherapie von Krebserkrankungen. "

An diesem Projekt sind auch Wissenschaftler der Charité in Berlin, der Universitätshautklinik Essen und des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg beteiligt, heißt es in der Mitteilung aus Mainz. "Gelingt es uns, Krebs erkennende T-Zellrezeptoren zu entwickeln und die T-Zellen damit auszustatten, so wäre das ein entscheidender Schritt hin zu einer neuen personalisierten Immuntherapie", ergänzt Theobald.

Das Forschungsprojekt basiert auf folgender Erkenntnis: Neumutationen führen zur Bildung von Eiweißen, die für den individuellen Tumor spezifische Strukturmerkmale aufweisen. Ein Teil dieser als Neoantigene bezeichneten Merkmale wird durch die T-Lymphozyten mit Hilfe von hochempfindlichen und mutationsspezifischen T-Zellrezeptoren erkannt.

Abwehrzellen gegen Neoantigene sind geeignet, Tumorabstoßungsreaktionen auszulösen, ohne dass dabei mit Schäden normalen Gewebes zu rechnen ist.

"Zunächst gilt es, in ausgewählten Tumoren tumorspezifische Neoantigene zu identifizieren", so Wölfel und Theobald fügt hinzu: "Haben wir die tumorspezifischen Neoantigene identifiziert, so ist das die Voraussetzung, um verschiedene Verfahren zur Gewinnung von mutationsspezifischen T-Zellrezeptoren zu entwickeln und anschließend im Modellversuch zu testen."

Auf Grundlage dessen soll dann eine technologische Plattform für den Einsatz solcher T-Zellrezeptoren im Rahmen einer personalisierten Immuntherapie geschaffen werden, teilt die Universitätsmedizin Mainz weiter mit.

Expertise wird gebündelt

"Die auf veränderte T-Zellrezeptoren ausgerichtete T-Zell-Immuntherapie ist ein sehr komplexes Forschungsfeld. Daher macht es Sinn, die Expertise von Grundlagenforschern und anwendungsorientierten kliniknahen Wissenschaftlern zu bündeln.

Genau das leistet dieses Verbundforschungsprojekt. Es hat das Potenzial, einen bedeutenden Beitrag auf dem Weg zu einer personalisierten Immuntherapie zu leisten", wird Professor Ulrich Förstermann zitiert, der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Sepsis – "häufigste vermeidbare Todesursache im Land"

Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Ärzte, Patientenschützer und Politiker fordern jetzt: Die Blutvergiftung muss als Notfall akzeptiert werden. mehr »

"Hacker kommen wie durch eine offene Tür in Arzt-Systeme"

Nehmen niedergelassene Ärzte Gefahren durch Cyber-Angriffe ernst genug? Sie selbst glauben das mehrheitlich. Ein Sicherheitsexperte gießt Wasser in den Wein. mehr »