Ärzte Zeitung online, 06.07.2016
 

Krebsforschung

Deutsche spenden Rekordsumme

Von Anno Fricke

Rund 500.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr neu an Krebs. Jeder zweite könne geheilt werden, heißt es bei der Stiftung Deutsche Krebshilfe.

© Bizroug / fotolia.com

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BERLIN. Die Deutsche Krebshilfe blickt auf ein Rekordjahr zurück. Mit knapp 109 Millionen Euro haben die Spenden im Jahr 2015 den höchsten Wert seit der Gründung vor 42 Jahren erreicht. Auf der Ausgabenseite hat sich die Stiftung mit mehr als 36 Millionen Euro als bedeutendster privater Drittmittelgeber im Hochschulbereich etabliert. "Die wissenschaftliche Landschaft sähe anders aus ohne die Krebshilfe", sagte Vorstandsmitglied Dr. Franz Kohlhuber bei der Vorstellung des Jahresberichts 2015 am Mittwoch in Berlin.

Ein Förderschwerpunkt ist die Entwicklung von innovativen onkologischen Therapien. So hat ein Projekt an der Universität Stuttgart 328.000 Euro erhalten, in dem zwei Forscherinnen einem zellulären Signalweg bei einer besonders aggressiven Form von Brustkrebs (TNBC) auf die Spur kommen wollen. Sie suchen nach neuen Wirkstoffen, um diesen Signalweg zu unterdrücken, der für ein rasches Ausbreiten des Krebses verantwortlich ist.

An Hautkrebs erkranken jährlich rund 30.000 Menschen in Deutschland. Forscher der Universität Regensburg suchen ein Medikament, das gezielt die Ansiedlung von gestreuten Zellen eines malignen Melanoms verhindern soll. Die Krebshilfe unterstützte das Vorhaben im Jahr 2015 mit 383.000 Euro.

Insgesamt hat die Krebshilfe im Berichtsjahr 128 neue Projekte in der Grundlagenforschung, der klinischen Forschung und der Versorgungsforschung aufgelegt. Mit 6,6 Millionen Euro unterstütze sie die Krebs-Selbsthilfe. Dieser Betrag hat sich im Vergleich zu 2014 nahezu verdoppelt.

Die Spendenbereitschaft der Menschen in Deutschland ist ungebrochen. 356.000 Einzelspender trugen zum Rekordergebnis 2015 bei. Fast 13 Millionen Euro mehr als 2014 hatte die Krebshilfe 2015 zur Verfügung. Auffällig ist der Aufwuchs der Summe aus Erbschaften. 61,7 Millionen Euro wurden der Krebshilfe hinterlassen, 15 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor. Viele Erbschaften würden auf Wunsch der Erblasser direkt an bestimmte Forschungsprojekte gebunden, berichtete Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Krebshilfe.

Politisch sei die Krebshilfe bei zwei Projekten besonders beteiligt gewesen. So habe das Gesundheitsministerium bei der Formulierung des Hospiz- und Palliativgesetzes stark auf die Expertise der Krebshilfe gesetzt. Die Deutsche Krebshilfem, damals noch ein Verein, hat 1983 in Köln die erste Palliativstation in Deutschland überhaupt gefördert und finanziert.

Auch beim Präventionsgesetz habe die Krebshilfe mitgewirkt, berichtete Nettekoven. Jede zweite Krebserkrankung sei lebensstilbedingt. Das Risiko für Brustkrebs, Dickdarmkrebs und Endometriumkrebs könne durch 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche um mehr als ein Fünftel gesenkt werden, sagte Dr. Freerk Baumann von der Sporthochschule Köln. Gut belegt sei dies unter anderem durch die 1700 Krebssportgruppen in Deutschland, ein Angebot, das weltweit einmalig sei.

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