Ärzte Zeitung, 19.10.2016

Thannhauser-Medaille

Auszeichnung für Forschung zum Zytoskelett

HAMBURG. Mit der Thannhauser-Medaille 2016 der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) ist Professor Dr. rer. nat. Werner W. Franke aus Heidelberg ausgezeichnet worden. Er erhielt die von der Falk Foundation gestiftete Medaille für seine wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Zell- und Mikrobiologie. Vor allem seine Forschungen zur Charakterisierung des Zytoskeletts machten Franke bekannt. Die Medaille wurde während der 71. Jahrestagung der DGVS in Hamburg verliehen.Franke wurde 1973 als Professor an die Fakultät für Biologie der Uni Heidelberg und als Leiter der Abteilung Zellbiologie an das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) berufen, wo er von 1980 bis 1991 auch Geschäftsführender Direktor des Instituts für Zell- und Tumorbiologie war.

Franke und sein Team identifizierten und charakterisierten die in den verschiedenen Zelltypen vorhandenen Proteinkomponenten des Fasergerüsts und zudem die Zell-Zell-Verbindungen ("junctions"), die als Verankerungen der Zytoskelettfasern dienen und die Zellen zu einem Gewebe verbinden können. Sie entdeckten, dass die molekularen Eigenschaften des Zytoskeletts Aussagen über den Differenzierungszustand einer Zelle erlauben, also darüber, zu welchem Zelltyp sie gehören und wie weit sie in ihrer Entwicklung dorthin fortgeschritten sind, teilt die Falk Foundation mit. So wird das Zytoskelettgerüst epithelialer Zellen aus Proteinen vom Cytokeratin-Typ aufgebaut, und je nachdem, um was für einen Epitheltyp es sich handelt, werden unterschiedliche Cytokeratine exprimiert. Zellen mesenchymaler Herkunft haben dagegen ein Zytoskelett, das nicht aus Cytokeratinen, sondern dem ebenfalls von Franke entdeckten Protein Vimentin besteht.

Dieses charakteristische Expressionsmuster der Zytoskelettkomponenten bleibt meist auch nach der Transformation zu Krebszellen erhalten. Dadurch lassen sich zum Beispiel metastasierende Krebszellen, die von epithelialen Zellen abstammen, in einem Lymphknoten anhand ihres Cytokeratins unabhängig von ihrer Form und Größe sicher von den sie umgebenden mesenchymalen, Vimentin-haltigen Zellen unterscheiden. In manchen Fällen erlaubt sogar das spezifische Cytokeratin-Muster Rückschlüsse auf die Herkunft der Metastase. Spezifische Antikörper gegen die unterschiedlichen Zytoskelettproteine werden heute schon weltweit zu diagnostischen Zwecken – insbesondere in der Tumordiagnostik – eingesetzt. (eb)

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