Ärzte Zeitung, 11.11.2016
 

Ovarialkarzinom

Wann haben Patientinnen eine bessere Prognose?

Reproduktive und hormonale Faktoren aus der Phase vor der Diagnose eines Ovarialkarzinoms sollen sich auf die Überlebenschancen der Patientinnen auswirken. Welche das sind, haben US-Forscher in einer der wohl größten Studien hierzu näher untersucht.

Von Dagmar Kraus

Wann haben Patientinnen eine bessere Prognose?

Liegt der Überlebensvorteil bei Frauen mit HRT und Endometriose in einem veränderten hormonellen und immunologischen Milieu begründet?

© Springer Verlag GmbH

BOSTON. Frühe Menarche, späte Menopause, Endometriose oder Hormontherapie – alles Faktoren, die unabhängig von den krebsspezifischen Kriterien in der ein oder anderen Art mit dem Gesamtüberleben beim Eierstockkrebs im Zusammenhang stehen sollen.

Studien dazu gibt es einige, allerdings mit dem Manko relativ geringer Fallzahlen. Die bis dato größte Studie haben nun US-amerikanische Onkologen und Gynäkologen aus Boston vorgelegt (Br J Cancer 2016; online 4. Oktober).

Sie haben 1649 Frauen, die zwischen 1992 und 2008 an einem invasiven epithelialen Ovarialkarzinom erkrankten und an der New England Case-Control Study teilgenommen haben, nach hormonalen und reproduktiven Faktoren bis ein Jahr vor der Diagnose befragt und nach einer Nachbeobachtungszeit von 7,6 Jahren diese Faktoren mit dem Gesamtüberleben korreliert.

Gleichzeitig haben sie anhand der Daten von 449 Frauen den Zusammenhang mit einer Platinresistenz überprüft. Während des Follow-up starben 911 Frauen, wobei die Todesursache nicht explizit nachgehalten worden war.

Endometriose als Glücksfall

Bessere Überlebenschancen hatten Frauen, die in der Befragung angegeben hatten, an Endometriose zu leiden, einen unregelmäßigen Menstruationszyklus zu haben oder über mindestens fünf Jahre aufgrund von Wechseljahresbeschwerden Hormone (HRT) eingenommen zu haben.

Bei einer Endometriose in der Vorgeschichte lag das Sterberisiko der Krebspatientinnen sogar um 28 Prozent niedriger (HR 0,72, 95%-KI 0,54-0,94). Bei einer Hormontherapie über mindestens fünf Jahre verbesserten sich die Überlebenschancen um 21 Prozent verglichen mit Frauen, die eine HRT gänzlich verneint hatten (HR 0,79, 95%-KI 0,55-0,90).

Negativ wirkte sich hingegen aus, wenn die Frauen spontane Fehlgeburten erlitten, eine späte Menarche oder eine späte Menopause hatten. Bei Frauen, die erst mit 13 ihre erste Regel bekommen hatten, fiel beispielsweise das Sterberisiko 24 Prozent höher aus als bei Frauen, deren Menarche vor dem 13. Lebensjahr war (95%-KI 1,06-1,44).

Ein Menopausebeginn jenseits des 50. Geburtstags war mit einem um 23 Prozent höheren Risiko verbunden (95%-KI 1,03-1,46).

Keinen Unterschied machte es hingegen, ob die Frauen gestillt, orale Kontrazeptiva eingenommen oder IUD genutzt hatten. Auch die Anzahl der Jahre mit ovulatorischen Zyklen, eine durchgeführte Tubenligatur, die Kinderzahl sowie das Alter bei der ersten und letzten Geburt standen mit dem Gesamtüberleben in keinem Zusammenhang.

Für die Platinresistenz war bei keinem der prädiagnostischen Faktoren ein signifikanter Zusammenhang erkennbar, wenn auch für ein höheres Menarche- und Menopausealter sowie für die Endometriose ein ähnlicher Trend auszumachen war wie beim Gesamtüberleben.

Mechanismen bislang ungeklärt

Frauen, die an einem Eierstockkrebs erkrankten und anamnestisch eine Endometriose oder eine längere Hormonsubstitution angaben, hatten in dieser Erhebung bessere Überlebenschancen als Frauen ohne solche prädiagnostischen Faktoren. Der Vorteil könnte, so die Vermutung der Studienautoren, in einem veränderten hormonellen und immunologischen Milieu begründet sein.

Besonders das bei Endometriose um 28 Prozent geringere Sterberisiko hat die Studienautoren überrascht.

Denn auch wenn die mit Endometriose assoziierten Tumorsubtypen weniger aggressiv sind als ein high-grade seröses Ovarialkarzinom, scheint das bessere Überleben nicht einer im Durchschnitt günstigeren Tumorhistologie und einem niedrigeren Stadium geschuldet zu sein, wie die Studienautoren betonen, denn der Vorteil blieb auch bei Berücksichtigung von Debulking, Tumorcharakteristika und Chemotherapie unverändert bestehen.

Aufgabe sei es jetzt, die Mechanismen verstehen zu lernen, auf denen der Überlebensvorteil im Zusammenhang mit den prädiagnostischen Faktoren Endometriose und Hormontherapie basiere, so die Studienautoren. Außerdem seien die Ergebnisse im Zusammenhang mit den Faktoren Fehlgeburt und Zyklusunregelmäßigkeit zu validieren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »