Ärzte Zeitung, 01.02.2017

Orale Mukositis

Mundpflege ist das A und O

Mundpflegeprotokolle zur Mukositis-Prophylaxe unter Chemotherapie haben in Studien überwiegend positive Effekte ergeben.

Drei Dinge gehören zur standardisierten Mundpflege, um der oralen Mukositis vorzubeugen: die Pflege durch den Patienten selbst, risikoadaptierte Maßnahmen des Zahnarztes sowie die engmaschige klinische Kontrolle.

Ziel ist es, die Wirkungen von Mikroorganismen im Mund zu verringern, Schmerzen und Blutungen zu reduzieren sowie Weichteilinfektionen mit systemischen Komplikationen zu vermeiden, heißt es in der S3-Leitlinie "Supportive Therapie bei onkologischen Patienten". Die Patienten sollen dazu angehalten werden, die Mundschleimhaut feucht zu halten, etwa durch Mundspülungen mit Wasser oder physiologischer Kochsalzlösung – der Nutzen anderer Inhaltsstoffe ist nicht belegt.

Die Zähne werden mit einer weichen Zahnbürste gepflegt und die Zahnzwischenräume mit geeigneten Instrumenten gereinigt. Zudem sind Alkohol- oder zuckerhaltige Lösungen, Tabak, scharfe und heiße Speisen sowie säurehaltige Lebensmittel zu meiden. Sind bereits Läsionen vorhanden, müssen diese fortlaufend kontrolliert werden.

Für Patienten, die eine Bolus-5-Fluorouracil-Therapie erhalten, ist das Lutschen von Eiswürfeln über 30 Minuten als vorbeugend wirksam belegt. Dagegen liegen nach Angaben der Leitlinien-Autoren keine ausreichenden Beweise für die Wirksamkeit der Low-Level-Lasertherapie vor. Auch soll Sucralfat nicht zur Prophylaxe eingesetzt werden. Sucralfat bildet in saurer Umgebung einen Schutzfilm auf der Mukosa, in kontrollierten Studien war allerdings kein positiver Effekt auf die Häufigkeit und Ausprägung oraler Mukositis festzustellen gewesen.

Keine Evidenz für Hausmittel

Des Weiteren listen die Leitlinien-Autoren eine Reihe weiterer Substanzen und Hilfsmittel auf, die teils in populärwissenschaftlichen Publikationen auftauchen, für die aber keine ausreichende Evidenz vorliege, um eine Empfehlung für oder gegen den Einsatz zu rechtfertigen. Dazu gehören zum Beispiel Honig, Kamille, Kaugummi, Kefir oder auch Vitamine.

Zur Therapie bei oraler Mukositis soll begleitend die orale Mundpflege wie oben beschrieben fortgeführt werden, spezielle Zusätze werden nicht empfohlen. Bei Bedarf werden retardierte Opioide zur systemischen Schmerztherapie empfohlen, etwa transdermales Fentanyl. Auch die topische Anwendung von Morphin hält die Expertengruppe für möglich, wenngleich sie keine ausdrückliche Empfehlung ausspricht. Des Weiteren können Mundspülungen mit 0,5-prozentigem Doxepin angewendet werden.

Zur Wirksamkeit von subkutan oder als Mundspülung verabreichtem GM-CSF (Granulocyte-Macrophage Colony-Stimulating Factor) liegen widersprüchliche Resultate vor. In einer Studie wird die Kombination von Honig und Kaffee als wirksam beschrieben, für eine offizielle Empfehlung reichte dies den Experten aber nicht.

Ähnlich verhält es sich mit Diphenhydramin-Mundspülungen in Kombination mit weiteren Substanzen – Erfahrungen aus Studien fielen widersprüchlich aus – sowie mit Prostaglandin-E2-Lutschtabletten, die sich in einer sehr kleinen Studie als günstig erwiesen hatten. (ner)

Empfehlungen zur Mundpflege

Mundpflege durch den Patienten selbst

Risikoadaptierte Maßnahmen des Zahnarztes

Engmaschige klinische Kontrolle

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