Ärzte Zeitung online, 31.01.2018

Studie

Online-Programm mindert Stress nach Krebsdiagnose

Die große psychische Belastung, die die Diagnose Krebs mit sich bringt, kann durch eine psychologische Online-Unterstützung besser bewältigt werden. Das belegt eine aktuelle Studie.

Von Ruth Ney

Online-Programm mindert Stress nach Krebsdiagnose

Psychologische Unterstützung online: Das hilft offenbar auch Patienten nach der Diagnose Krebs, besser mit dem dadurch ausgelösten Stress umzugehen.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

BASEL. Psychischer Stress, wie er für viele Patienten mit der Diagnose Krebs verbunden ist, beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität, sondern kann sich auch negativ auf die Therapie und den Krankheitsverlauf auswirken. Um Patienten vor allem in der ersten Phase nach Bekanntwerden der Diagnose eine sinnvolle psychologische Unterstützung zukommen zu lassen, haben Forscher der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel ein spezielles Online-Programm – STREAM ("Stress aktiv mindern") – zur Stressbewältigung entwickelt.

Dass ein solches Online-Programm zur Stressbewältigung die Lebensqualität auch tatsächlich merklich verbessern kann, haben sie nun in einer Studie, die im "Journal of Clinical Oncology" (10.1200/JCO.2017.74.8491) erschienen ist, bestätigt.

Anti-Stress-Begleitung über acht Wochen

STREAM sieht vor, dass über acht Wochen Patienten mittels Informationen, individuellen Übungen und spezifischen Anleitungen Strategien aufgezeigt zum Umgang mit der Krebserkrankung. Dazu loggen sie sich über einen persönlichen, anonymen Zugang ein, wie die Universität Basel berichtet. Einmal pro Woche findet zudem über eine integrierte E-Mail-Plattform ein schriftlicher Austausch mit einer Psychologin statt.

Für die Studie wurden nun insgesamt 129 Patientinnen und Patienten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich (mehrheitlich mit Brustkrebs) innerhalb von 12 Wochen nach Beginn ihrer ersten Krebstherapie in eine Interventions- oder Kontrollgruppe eingeteilt. Letztere erhielt erst nach acht Wochen Wartefrist Zugang zum Programm, um einen Vergleich der beiden Gruppen zu ziehen.

Das Ergebnis: Patienten, die das STREAM-Programm gleich absolviert hatten, schätzten ihre Lebensqualität deutlich besser ein als die Kontrollgruppe. Auch der negative Stress, gemessen auf einer Skala von 0 bis 10, ging nach Angaben der Universität in der frühen Online-Gruppe signifikant stärker zurück als in der Kontrollgruppe.

Online-Programme decken sicht mit Patienten-Bedürfnis

"Die Ergebnisse zeigen, dass eine webbasierte Selbsthilfe mit regelmäßigem E-Mail-Kontakt zum Psychologen das Potenzial hat, neu diagnostizierte Krebspatienten effizient zu unterstützen und somit ihre Behandlung entscheidend zu verbessern" kommentiert Professor Viviane Hess, Professorin für Medizinische Onkologie und Leitende Ärztin Onkologie in Basel die Ergebnisse in einer Pressemitteilung. Ergänzend zu den bisherigen Angeboten eröffneten sich mit dem Online-Programm neue Möglichkeiten, Betroffene zu unterstützen, die bisher nicht erreicht werden konnten. "Die Digital Natives nähern sich dem Alter, in dem das Risiko für altersbedingte Krankheiten wie Krebs steigt. Auch deshalb werden Ansätze zur Integration des Internets in die Patientenversorgung weiter an Bedeutung gewinnen", so Viviane Hess.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Ausreichend Folsäure schützt Hypertoniker vor Schlaganfall

Bestimmte Hypertoniker sollten auf eine gute Folsäureversorgung achten. Dadurch können sie ihr Schlaganfallrisiko deutlich senken. mehr »

Feinsinnige Geister und Antisemiten

Ein neues Buch beleuchtet die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin während des Nationalsozialismus. Am Fallbeispiel Emil von Bergmann erkennen Leser, wie zwiegespalten die DGIM-Mitglieder waren. mehr »

Saunieren schützt vor Schlaganfall

Möglicherweise beugt häufiges Saunieren Hirninfarkten vor. In einer finnischen Studie war die Schlaganfallrate bei Saunafans um 60 Prozent reduziert - dafür mussten Saunagänger aber einen Faktor beherzigen. mehr »