Ärzte Zeitung online, 01.03.2018

Forscher entdecken Ansatzpunkt

Fruchtbar bleiben trotz Chemotherapie?

FRANKFURT / MAIN. Forscher der Goethe-Uni Frankfurt haben gemeinsam mit Kollegen der Uni Tor Vergata in Rom einen Mechanismus entschlüsselt, der bei Krebspatientinnen unter einer Chemotherapie das vorzeitige Absterben von Eizellen induziert (Nat Struct Mol Biol 2018; online 26. Februar). Eizellen leiten ja bei DNA-Schädigungen den programmierten Zelltod ein, um Gendefekte beim Nachwuchs möglichst gering zu halten.

Die Wissenschaftler um Professor Volker Dötsch stellten fest, dass das Protein p63, das in nicht-geschädigten Eizellen in einer inaktiven Konformation vorliegt, durch die DNA-Schäden während einer Chemotherapie mit Phosphatgruppen modifiziert und in die aktive Konformation überführt wird. Aktives p63 wiederum induziert in den Eizellen Apoptose. Den Forscher gelang es, alle am p63-Aktivierungsmechanismus beteiligten Enzyme zu identifizieren. Als die Wissenschaftler die identifizierten Schlüsselenzyme im Mausmodell durch Inhibitoren blockierten, blieben die Eizellen von weiblichen Tieren unter der Einwirkung von Chemotherapeutika intakt.

Dadurch eröffne die Studie neue Ansätze für eine mögliche Therapie, berichtet die Uni Frankfurt. "Diese Erkenntnis bildet die Grundlage für die Entwicklung potenzieller Medikamente, die Eizellen während einer Chemotherapie auch im Menschen zu schützen und somit die vorzeitige Einleitung der Wechseljahre unterdrücken sollen", wird Dötsch in der Uni-Mitteilung zitiert. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »