Ärzte Zeitung online, 08.08.2019

Onkologie

Mit spezifischer Therapie gegen Kopf-Hals-Tumoren

BONN. Bei Kopf-Hals-Tumoren, die durch HPV (Humane Papillomviren) verursacht wurden, schlägt zwar die gängige Strahlen- und Chemotherapie gut an, ist aber mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.

Forscher am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf wollen nun eine schonendere, gezielt gegen die Krebszellen gerichtete Therapie entwickeln, teilt die Deutsche Krebshilfe mit. Sie fördert das Projekt mit 232.000 Euro.

Zahl der Kopf-Hals-Tumoren steigt

Humane Papillomviren (HPV) sind vor allem als Auslöser von Gebärmutterhalskrebs bekannt. Sie sind aber auch für Kopf-Hals-Tumoren verantwortlich. Ihre Häufigkeit steigt seit Jahren stetig an.

Patienten mit diesem Krebstyp haben jedoch auch bei lokal fortgeschrittenen Tumoren gute Heilungschancen mit der gängigen Behandlung, bestehend aus einer intensiven Chemo- und Strahlentherapie mit oder ohne vorausgegangener Operation. Der Grund: HPV-infizierte Kopf-Hals-Tumorzellen sterben noch schneller an den Folgen der Bestrahlung als andere Krebszellen, weil sie die Strahlenschäden in ihrem Erbgut schlechter reparieren können, heißt es in der Mitteilung.

„Mithilfe einer spezifischen molekularen Tumortherapie nutzen wir die Schwachstelle der HPV-bedingten Tumoren aus und verstärken so die Wirkung der Strahlentherapie“, wird Projektleiter Dr. Thorsten Rieckmann in der Mitteilung zitiert.

DNA-Reparatursystem gehemmt

Die neuen Wirkstoffe hemmen spezifisch das DNA-Reparatursystem der Zellen und wirken dadurch – im Gegensatz zur klassischen Chemotherapie – insbesondere gegen die bestrahlten Tumorzellen und nur geringfügig gegen gesunde Zellen.

Die durch die HPV-Infektion bereits geschwächten Krebszellen verlieren so weiter ihre Fähigkeit zur Selbst-Reparatur und reagieren noch empfindlicher auf die Bestrahlung. Im Labor wollen die Forscher nun die Grundlagen für spätere klinische Studien schaffen.

„Unsere Erkenntnisse sollen sobald wie möglich in der klinischen Praxis zum Einsatz kommen“, so Rieckmann. In Zukunft soll die spezifischere und deutlich schonendere Behandlung die heute parallel zur Strahlentherapie verabreichte Chemotherapie ersetzen.

Möglicherweise könne sie auch die nötige Bestrahlungsintensität verringern – für eine bessere Lebensqualität der Patienten bei gleichzeitig hohen Heilungschancen. (eb)

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