Ärzte Zeitung, 01.02.2010

Erhöhtes Blasenkrebs-Risiko durch neues Zigarettendesign?

US-Studie liefert Hinweise auf Anstieg des Krebsrisikos auf mehr als das Fünffache

BETHESDA (ple). US-Epidemiologen haben Hinweise dafür gefunden, dass das Risiko, an einem Harnblasenkarzinom zu erkranken, bei Zigaretten-Rauchern in den vergangenen Jahren gestiegen ist - vermutlich aufgrund der veränderten Zusammensetzung der Zigaretten in den USA.

zur Großdarstellung klicken

Raucher haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs, sondern auch für Harnblasen-Karzinome. © Hannes Strasser / fotolia.de

Schon seit vielen Jahren gilt Rauchen als Risikofaktor für Harnblasenkrebs. Anhand der Daten einer Fall-Kontroll-Studie beziffern nun Wissenschaftler um den Krebs-Epidemiologen Dr. Dalsu Baris aus Bethesda den Anstieg des Erkrankungsrisikos bei Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern von etwa dem Dreifachen auf mehr als das Fünffache (J Nat Canc Inst 101, 2009, 1553). Dabei werteten die Forscher die Zeiträume 1994 bis 1998, 1998 bis 2001 sowie 2002 bis 2004 in Maine, New Hampshire und Vermont im US-Staat New England aus. Für diese Auswertung standen Daten von insgesamt mehr als 5000 Gesunden und Patienten mit einem Urothelkarzinom zur Verfügung.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen die Resultate einer Untersuchung des Roswell Park Cancer Instituts in Buffalo im Staat New York vor drei Jahren, aus denen ein ähnlicher Trend bis 1990 über einen Zeitraum von vier Dekaden abgeleitet wurde.

Baris und seine Kollegen erklären sich diese Entwicklung unter anderem damit, dass die Zusammensetzung und das Design der Zigaretten in den 60- und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geändert wurden. Dabei stieg zum Beispiel die Konzentration des Karzinogens 2-Naphthylamin von 1 bis 22 ng pro gerauchter Zigarette auf 35 ng im Jahr 1985. 2-Naphthylamin wird wie die Nitrosamine zu den Auslösern von Harnblasenkrebs gerechnet.

Die Forscher vermuten auch, dass durch die Verringerung des Nikotingehalts Raucher dazu verleitet werden, den Rauch häufiger und tiefer zu inhalieren, um den gleichen Effekt wie bei höherem Nikotingehalt zu erzielen. Dadurch werde auch die Harnblase verstärkt den Karzinogenen des Zigarettenrauchs ausgesetzt. Die Studie habe zudem Hinweise darauf erbracht, dass das Rauchen von wenigen Zigaretten über einen langen Zeitraum schädlicher ist als das Rauchen von vielen Zigaretten über einen kürzeren Zeitraum. In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 28 000 Menschen an einem Harnblasenkarzinom - dreimal so viele Männer wie Frauen. Seit Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nimmt hier die Erkrankungsrate ab.

Weitere Info zum Harnblasenkarzinom in Deutschland unter www.rki.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Impfpflicht löst Masernproblem nicht

Eine Impfpflicht bei Masern würde ungeimpfte Erwachsene als Verursacher nicht erreichen und Skeptiker vor den Kopf stoßen. Ausbrüche sind nur mit mehr Engagement zu verhindern, so RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler. mehr »