Ärzte Zeitung online, 06.03.2014
 

Blasenkrebs aufspüren

Vielversprechende Ergebnisse mit Urin-Schnelltest

Zum Aufspüren von Blasenkrebs steht der erste quantitative Urin-Schnelltest zur Verfügung. Forscher aus Tübingen haben das einfach anzuwendende Verfahren mit komplexeren Methoden wie ELISA und Urinzytologie verglichen - mit vielversprechenden Ergebnissen.

Vielversprechende Ergebnisse mit Urin-Schnelltest

Bei dem neuen Test wird eine verdünnte Urinprobe des Patienten in das Probenfenster einer Testkassette pipettiert.

© Getty Images/iStockphoto

TÜBINGEN. Als Ergänzung zum Goldstandard der Zystoskopie stehen in der Blasenkrebsdiagnostik heute mehrere nicht invasive Tests zur Verfügung.

Dazu gehören die Fluoreszenz-In-situ-Hybridisierung (FISH), der quantitative UBC ELISA, der NMP22 BladderChek oder der dichotomisierte UBC (Urinary BC antigen) rapid. Diese Tests haben jedoch den Nachteil, dass sie entweder aufwendig oder wenig sensitiv sind.

Mit dem UBC rapid POC kam vor Kurzem noch ein Schnelltest dazu, der erstmals auch quantitative Resultate liefert. Dazu wurde der UBC rapid mit dem Omega 100 reader, einem photometrischen POC-System, gekoppelt.

POC (Point of Care) bezeichnet diagnostische Verfahren, die kein Zentrallabor erfordern, sondern am Krankenbett, in einer Arztpraxis oder sogar zu Hause durchgeführt werden können. Bei dem Test wird eine verdünnte Urinprobe des Patienten in das Probenfenster einer Testkassette pipettiert.

Wie die Forscher um Dr. Rene Ritter von der Universität Tübingen berichten, steht das neue Verfahren dem aufwendigen ELISA und der Urinzytologie in puncto Testgenauigkeit nicht nach, im Gegenteil, es schnitt im direkten Vergleich sogar besser ab (Urol Oncol 2013, online 13. Dezember).

Vergleich mit drei anderen Methoden

Als Probanden dienten den Wissenschaftlern 198 Patienten mit verdächtigen Symptomen (Hämaturie oder Beschwerden beim Wasserlassen). Alle Patienten hatte man mittels Zystoskopie und Bildgebung untersucht; ein Blasenkarzinom wurde auf diese Weise bei 61 Teilnehmern (30,8 Prozent) festgestellt.

Urinproben der Patienten wurden nun mit vier verschiedenen Methoden untersucht: dem UBC rapid, mit dem Zytokeratinkonzentrationen bestimmt werden, dem NMP22 BladderChek, dem UBC ELISA und mittels Urinzytologie.

Die UBC-rapid-Ergebnisse wurden in zwei Varianten ausgewertet, einmal visuell mithilfe von Bandenstärken (keine Bande, schwache, mittlere und starke Bandenintensität) und einmal unter Zuhilfenahme des Omega 100-Readers, der eine quantitative Analyse erlaubt.

Das Resultat: Der UBC rapid lieferte in der visuellen Auswertung bei Patienten ohne Vorgeschichte eines Blasenkarzinoms (n = 147) eine Sensitivität von 53,9 Prozent (Spezifität 82,4 Prozent), das quantitative Pendant erreichte 61,5 Prozent (Spezifität 69,4 Prozent).

Im Vergleich dazu lagen Sensitivität und Spezifität beim UBC ELISA bei 50 bzw. 69,2 Prozent. Auch die Urinzytologie konnte mit dem Schnelltest kaum mithalten (51,7 bzw. 78,1 Prozent). Am schlechtesten schnitt der NMP22 BladderChek ab mit einer Sensitivität von nur 16,4 Prozent (Spezifität 95,3 Prozent).

51 Patienten hatten sich zur Nachbeobachtung nach nicht invasivem Blasenkarzinom vorgestellt. Bei ihnen lag die Sensitivität, mit der ein Rezidiv entdeckt wurde, mit dem UBC rapid bei 59,1 Prozent (visuelle Auswertung) bzw. bei 54,6 Prozent (quantitativer Test).

Der UBC ELISA liefert eine Sensitivität von 45,5 Prozent, die Zytologie von 42,9 Prozent, der NMP BladderChek lag weit abgeschlagen bei 9,1 Prozent.

Für die Forscher bemerkenswert: Mit der Kombination aus Schnelltest und Zytologie wurden gegenüber alleiniger Zytologie zwölf Blasentumoren zusätzlich entdeckt, davon drei Hochrisikokarzinome.

Test ergänzt die Zystoskopie und Zytologie

Der UBC rapid lässt sich nicht mit zellbasierten Urintests wie FISH und Immunzytologie vergleichen, schränken Ritter und Kollegen ein. Dafür, dass das Verfahren so schnell und unkompliziert gehandhabt werden könne, seien die Ergebnisse jedoch beachtlich.

Die Autoren sehen den Einsatz in Ergänzung zur Zystoskopie und Zytologie. Positive Ergebnisse im Schnelltest sollten jedoch nicht automatisch eine Zystoskopie nach sich ziehen, raten die Tübinger.

Für die Entscheidungsfindung sei die Zusammenschau mit klinischen Befunden, vor allem Hämaturie, Rauchstatus und Infektionen sowie mit dem Ergebnis einer Urinzytologie erforderlich. (EO)

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