Ärzte Zeitung online, 30.12.2016

Harnblase

Karzinom kommt oft nicht allein

Bei mehr als 50 Prozent der Männer mit radikaler Zystektomie wegen eines Harnblasenkarzinoms wird einer österreichischen Studie zufolge auch ein Prostata-Ca entdeckt. Die Autoren plädieren deshalb für postoperative PSA-Kontrollen.

Von Christine Starostzik

INNSBRUCK. Vor allem bei jüngeren Männern wird eine Zystektomie heute oft prostataschonend durchgeführt, um Miktion und sexuelle Funktion nicht zu beeinträchtigen. Solche Techniken bergen aber auch ein erhöhtes Risiko für weitere Tumorherde.

In einer retrospektiven Analyse haben Isabel Heidegger von der Medizinischen Universität Innsbruck und Kollegen jetzt anhand der Gewebeproben die Häufigkeit eines Prostatakarzinoms nach standardmäßiger, radikaler Zystektomie wegen eines fortgeschrittenen Blasenkarzinoms bestimmt. Die Urologen analysierten zudem über zehn Jahre retrospektiv die Daten der 213 Patienten ohne chemotherapeutische Vorbehandlung (Urol Oncol 2016, online 9. Dezember).

Unterschiede bei Gesamt-PSA und fPSA im Blut

Bei 53 Prozent der Patienten wurde bei der histologischen Untersuchung nach radikaler Zystektomie ein Prostatakarzinom festgestellt. Als dessen signifikante Prädiktoren erwiesen sich das Patientenalter, der Gesamt-PSA-Wert sowie der Anteil des freien PSA im Blut (fPSA).

So waren Patienten mit begleitendem Prostatakarzinom im Mittel 71 Jahre alt, während das Durchschnittsalter in der Gruppe ohne Zweittumor bei 68 Jahren lag.

Der durchschnittliche präoperative PSA-Wert lag bei Männern mit Prostatakarzinom bei 4,2 ng/ml, bei Patienten ohne Prostatakrebs bei 1,6 ng/ml. Ähnlich signifikante Unterschiede ergaben sich für das fPSA vor der radikalen Zystektomie.

Bei 64 Prozent der Prostatakrebspatienten fand sich ein ungünstiger Histologiebefund der Harnblase (≥pT3), bei 52 Prozent lag der Gleason Score bei ≥ 7 und bei 11 Prozent der Patienten hatte der Krebs die Organgrenze überschritten (≥ pT3a).

PSA-Kontrolle zunächst alle drei Monate

Schließlich analysierten Heidegger und Kollegen die Häufigkeit von Rezidiven bei Patienten mit Prostatakarzinom und fortgeschrittenem Blasenkarzinom innerhalb des Studienzeitraums.

Im ersten Jahr nach der radikalen Zystektomie wurde alle drei Monate der PSA-Wert kontrolliert, danach bis zum Ende des fünften Jahres zweimal und danach einmal jährlich. Die sechs Prozent der Patienten, bei denen der PSA auch sechs Wochen nach der radikalen Zystektomie noch erhöht war, wurden einer Radiotherapie unterzogen. Doch in der Regel sank der PSA-Wert nach der Op auf <0,003 ng/ml.

Todesursache war oft ein Prostata-Ca

15 von 53 Patienten erlebten allerdings dennoch ein biochemisches Rezidiv ihres Prostatakrebses (PSA ≥ 0,2 ng/ml). 87 Prozent von ihnen hatte einen GS ≥ 7 und bei 80 Prozent der Patienten mit biochemischem Rezidiv ergab die histologische Untersuchung, dass sich das Blasenkarzinom zum Zeitpunkt der Op bereits über die Harnblase hinaus ausgebreitet hatte (≥pT3).

40 Prozent der Patienten mit Prostatakarzinomrezidiv starben letztlich innerhalb von neun Monaten bis vier Jahren nach der Zystektomie nicht an ihrem Blasenkarzinom, sondern am Prostatakrebs.

Vor Zystektomie Prostata-Ca ausschließen!

Die österreichischen Forscher folgern aus ihren Daten, dass ein ungünstiger Histologiebefund der Harnblase ein Risikofaktor sowohl für ein Prostatakarzinom als auch für ein biochemisches PSA-Rezidiv ist.

Sie vertreten die Ansicht, dass eine prostatasparende Zystektomie nur sehr ausgewählten Patienten ohne primäre Beteiligung der prostatischen Harnröhre und nur nach präoperativem Ausschluss eines Prostatakarzinoms durch digital-rektale Untersuchung und PSA-Bestimmung angeboten werden sollte. Zum Ausschluss eines Tumors sollte darüber hinaus das fPSA gemessen werden.

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