Ärzte Zeitung, 10.06.2008

Maligne Lungentumoren leuchten im PET-Bild

Empfohlen wird Resektion bei PET-positivem Rundherd, Abwarten bei PET-negativem Rundherd

BERLIN (gvg). Was tun bei zufällig entdeckten Lungenrundherden? Beim Interdisziplinären Krebskongress der Vivantes-Kliniken in Berlin wurde diskutiert, welchen Stellenwert eine PET-Untersuchung in dieser Situation hat.

Bei der Positronenemissionstomografie (PET) wird die Anreicherung von nuklearmedizinisch markierter Glukose (18-Fluor-Deoxyglukose, FDG) gemessen. Viele Tumoren haben einen erhöhten Glukosestoffwechsel und reichern die radioaktiv markierte Glukose deswegen rasch an. Im PET ist diese Anreicherung als "Leuchten" erkennbar. "Zur Beurteilung der Dignität von Lungenbefunden ist die PET sehr nützlich", sagte die Nuklearmedizinerin Privatdozentin Ursula Nestle vom Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar.

Wenn sich ein solitärer Lungenrundherd in der PET nicht auffällig darstelle, dann sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich nicht um einen malignen Tumor handele, so Nestle. Umgekehrt sei vor allem eine intensive FDG-Anreicherung mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Zeichen für einen malignen Prozess.

Die Intensität des PET-Signals wird als "standardized uptake value" (SUV) angegeben. Liegt der SUV-Wert niedriger als zwei, dann ist ein solitärer Lungenherd in über neun von zehn Fällen gutartig (negativ prädiktiver Wert über 90 Prozent). Bei einem SUV über vier dagegen seien über 85 Prozent der entdeckten Läsionen maligne (positiv-prädiktiver Wert).

Generell sei bei einem PET-positiven Rundherd eine Resektion zu empfehlen, um den Befund pathologisch zu sichern, sagte Nestle. Bei einem PET-negativen Rundherd dagegen sei eine abwartende Strategie vertretbar, da das Risiko einer Op gegen das Risiko eines zwar PET-negativen, aber dennoch malignen Tumors abgewogen werden müsse.

Details der PET-Diagnostik beim Bronchialkarzinom sind auch Inhalt einer neuen S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin. Sie wird derzeit erarbeitet und soll bis Ende des Jahres vorliegen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Epileptiker haben hohe Überdosisgefahr

Die Gefahr, an einer Medikamentenüberdosis zu sterben, ist bei Epilepsiekranken fünffach erhöht, so eine Studie. Doch es ist anders, als auf den ersten Blick gedacht: Schuld sind meist nicht die Antikonvulsiva. mehr »

Zehntausende Arztpraxen nicht ohne Barrieren zu erreichen

Nur ein Drittel der Arztpraxen in Deutschland gelten – auch nur zum Teil – als barrierefrei. Das schränke die freie Arztwahl körperlich beeinträchtigter Menschen ein, moniert die Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann. mehr »

Nichtstun ist gefährlich für Patientendaten

Nur noch wenige Tage, dann tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Grund genug auch für Ärzte, sich die Prozesse der Datenverarbeitung anzuschauen und auf Sicherheit abzuklopfen. mehr »