Ärzte Zeitung online, 05.03.2009

Inhalator gegen Lungenkrebs

SAARBRÜCKEN/STUTTGART (eb). Ein neuer Ansatz könnte die Therapie bei Bronchialkarzinomen verbessern: In Saarbrücken und Stuttgart arbeiten Wissenschaftler an Wirkstoffen, die eingeatmet werden können. Der Angriffspunkt ist ein Enzym, das für das unkontrollierte Wachstum der Krebszellen zuständig ist.

Im Visier der Forscher steht das Enzym Telomerase. Dieses Protein ist vorwiegend in Tumorzellen aktiv und verhindert, dass die Zellen altern und absterben. Die Telomere am Ende der Chromosomen schützen normalerweise die Erbinformation vor Schäden. Mit jeder Zellteilung verkürzen sich die Telomere jedoch, sodass ihre Schutzfunktion mit der Zeit verloren geht. In der Folge werden die Chromosomen instabil und die Zellteilung hört irgendwann auf. In Krebszellen hingegen verlängert das Enzym Telomerase die Chromosom-Enden immer wieder. Dadurch können sich die Tumorzellen immer weiter teilen.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wollen die Wissenschaftler nun die Aktivität der Telomerase in Lungenkrebszellen abschalten. Die malignen Zellen sollen so wieder zu sterblichen gemacht machen. Um die Telomerase zu hemmen, setzen die Forscher ein Antisense-Oligonukleotid ein. Dieses kurze Erbinformationsstück blockiert die Bauvorlage, welche die Telomerase für die Verlängerung der Telomere benötigt.

Um den Wirkstoff unbeschadet und möglichst direkt in die Lungenkrebszellen zu bekommen, koppeln die Wissenschaftler die Antisense-Oligos an kleinste Partikel aus biologisch abbaubaren Materialien. Dadurch wird die Substanz stabilisiert und sie kann intakt in die Zelle aufgenommen werden. Außerdem lässt sie sich in feinen Tröpfchen vernebeln, die dann vom Patienten inhaliert werden können. Durch diese lokale Behandlung soll die Wirksamkeit in der Lunge erhöht werden.

Die Wirksamkeit dieser Antisense-Oligos wurde bereits in isolierten Krebszellen im Labor nachgewiesen. "Um die bisherigen experimentellen Befunde dieses neuen Konzeptes zu überprüfen, sind aber noch weitere Untersuchungen notwendig", erklärt Professor Claus-Michael Lehr, der das Projekt in Saarbrücken leitet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »