Ärzte Zeitung, 29.05.2009

Schockbilder zum Welt-Nichtrauchertag

Schockbilder auf Zigarettenschachteln sollen Raucher zum Nachdenken anregen und zum Rauchstopp beitragen. Das Aktionsbündnis Nichtrauchen hat zum Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai solche Motive vorgestellt. Der Tag steht dieses Jahr unter dem Motto "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte".

Von Michael Hubert

Abschreckende Bilder auf Zigarettenpackungen sollen ein Baustein sein, Raucher zum Rauchstopp oder zur Reduktion ihres Tabakkonsums zu bewegen. Dass das klappen kann, hat eine Studie mit 15 000 Rauchern ergeben. 80 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass abschreckende Bilder sie zum Nachdenken über ihr Rauchverhalten angeregt hätten. "Besonders wirksam sind Bilder von echten Krebsgeschwüren", sagte Luk Joossens, Experte für Tabakkontrolle aus Brüssel, bei einer Veranstaltung des Aktionsbündnisses Nichtrauchen in Berlin.

In 24 Ländern, darunter Australien, Belgien, Kanada und Brasilien, sei festgestellt worden, dass die schockierenden Bilder einen tiefen Eindruck hinterlassen - besonders bei jungen Menschen. In diesen Ländern reduzierten Raucher ihren Tabakkonsum.

"Bildliche Warnhinweise sind essenzieller Bestandteil einer erfolgreichen Tabakkontrolle. Seit 2003 empfehlen die WHO und die EU diese einfach umzusetzende und effektive Art der gesundheitlichen Aufklärung", so Joossens. Das Aktionsbündnis warf deutschen Politikern vor, die Umsetzung zu verzögern. "Im europäischen und internationalen Vergleich hinkt Deutschlands Tabakkontrollpolitik immer noch hinterher", sagte Dr. Uwe Prümel-Philippsen vom Aktionsbündnis Nichtrauchen. Deutliches Zeichen dafür sei der Flickenteppich beim Nichtraucherschutz in der Gastronomie.

In Deutschland rauchen etwa 20 Millionen Menschen. Tabak ist für ein Drittel aller Krebserkrankungen verantwortlich. Durch Tabak sterben in Deutschland jährlich 140 000 Menschen. "Wir wollen die Raucherquote nachhaltig senken und fordern jeden Bürger auf, sich zu beteiligen", sagte Professor Dagmar Schipanksi. Die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe hatte auch Positives zu berichten: Die Raucherquote bei 12- bis 17-Jährigen ist in Deutschland innerhalb von acht Jahren von 28 Prozent auf 16 Prozent gesunken.

Die Bedeutung von Rauchverboten macht eine Studie aus den USA mit fast 4000 Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren deutlich: Vier Jahre nach Studienbeginn waren 9,3 Prozent der Teilnehmer Raucher geworden (Arch Ped Adol Med 162, 2008, 477). In Städten mit strengen Rauchverboten in Gaststätten war die Wahrscheinlichkeit, Raucher zu werden, jedoch 40 Prozent geringer als in Orten ohne Verbote. Auch von den Jugendlichen, die mit dem Konsum von Zigaretten experimentierten, wurden weniger zu Rauchern. Im Vergleich zu Städten ohne Nichtraucherschutz-Gesetze waren es sogar 50 Prozent weniger.

www.weltnichtrauchertag.de

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